Sarris lazio vor dem milan-gipfel: romagnoli-zweifel, motta-debüt und die wahrheit über maldini
Maurizio Sarri zieht vor dem Topspiel gegen den AC Milan die Notbremse. Der Lazio-Coach bestätigte am Freitag im Olivetti-Training Center: Alessio Romagnoli ist höchstwahrscheinlich raus – ein Schlag ins Kontor für die Biancocelesti, die am Sonntag um 20.45 Uhr im Olympico den Champions-League-Platz verteidigen müssen.
Romagnoli fraglich – der ex-milan-kapitän vor schmerzhaftem comeback-aus
„Wir werden bis morgen früh alles versuchen, aber es sieht düster aus“, sagte Sarri mit schwerer Stimme. Der Innenverteidiger hatte sich beim 2:0 in Cagliari die Wade verdreht, genau die Partie, in der er sich gegen seine alte Liebe beweisen wollte. Für Romagnoli wäre es das erste Duell gegen die Rossoneri seit seinem Sommer-Wechsel – ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, das nun wohl ins Leere läuft.
Die Zahlen sprechen gegen die Lazio: In den letzten sieben Pflichtspielen mit Romagnoli kassierte man nur drei Gegentore, ohne ihn schon sechs in drei Partien. Sein Ersatz wird wohl Nicolò Casale, der zuletzt gegen Udinese noch Bank war und nun innerhalb von 48 Stunden vom Reservisten zum Systemspieler mutiert.

Motta statt provedel – sarri setzt auf den jungen brasilianer
Nach Ivan Provedels Bänderriss im Sprunggelenk rückt Christos Mandas zwar nominell auf, doch Sarri kündigte eine Überraschung an: „Wir haben Luiz Motta aus der Primavera hochgezogen. Er ist 20, groß wie ein Schrank und hat Nerven aus Stahl. Furlanetto? Der bleibt zweite Wahl.“ Motta stand noch nie in der Serie A, sein letztes Pflichtspiel war das Youth-League-Duell gegen Midtjylland. Nun soll er gegen Rafael Leão und Olivier Giroud den Kasten sauber halten.
Die Entscheidung ist typisch Sarri: lieber ein Rohdiamant mit Zukunft als ein erfahrener, aber limitierter Zweitligaprofi. Die Fans erinnern sich an Marco Ballotta, der mit 44 sein Debüt gab – und auf Anhieb sieglos blieb. Motta muss das verhindern, sonst rutscht Lazio auf Platz sechs ab.

Zaccagni steigt auf – maldini bleibt stürmer
Ein Lichtblick: Mattia Zaccagni. Der Flügelspieler war nach seiner Leisten-OP monatelang ein Schatten seiner selbst, zuletzt aber wieder der umtriebige Dribbler, der Luciano Spalletti für die Nations League einberief. „Er hat eine komplizierte Saison hinter sich, aber in den letzten drei Spielen hat er sich zurückgekämpft. Er verdient ein starkes Finish“, sagte Sarri, der Zaccagni links hinten im 4-3-3 plant – eine Position, die Daniel Maldini gerne übernehmen würde.
Doch Sarri blockt ab: „Maldini kann maximal 15 Minuten als Außenstürmer spielen, nicht als Flügel. Bei mir ist er Neuner, Punkt.“ Das dürfte Ciro Immobile beruhigen, der zuletzt nur noch Elfmeter schießt und seit November nicht mehr aus dem Feld traf. Ein Tor gegen Milan wäre sein 200. für Lazio – ein Grund mehr, warum Sarri nicht rotiert.
Die Luft ist dünn in Formello. Nach der 0:3-Klatsche gegen Milan im Hinspiel und der Champions-League-Auslosung gegen Bayern München droht der Saison-Crash. Ein Punkt Vorsprung auf Platz fünf, ein Torwart ohne Erfahrung, ein Abwehrchef mit Handicap – und ein Trainer, der trotzdem vor der Presse lässig die Kippe wippt. Sarri sagt: „Wir sind nicht das Krankenhaus der Liga, wir sind Lazio.“ Ob das reicht, um Stefano Pioli erneut in die Knie zu zwingen, entscheidet sich am Sonntagabend im echoleeren Olympico. Die Wette: Entweder Motta wird zum neuen Angelo Peruzzi – oder Milan feiert das vierte Auswärtssieg in Folge und lässt Lazio in der Krise versinken.
