Sarri nach lazio-sieg gegen milan: "fans zurück, emotion pur"
Maurizio Sarri schwieg nicht lange über Taktik. Er sprach vom Römer Novemberregen, von 50.000 Stimmen, die das Olimpico zum Kochen brachten, und davon, dass sein Lazio mit einem 1:0 gegen Milan die Meister-Träume der Rossoneri auf minus acht Zähler hinter Inter abkühlte.
Die kurve jubelt, sarri atmet durch
Der 65-Jährige hatte sich vor Anpfiff wie versprochen unter die Nordkurve gestellt, die Hand ans Herz gelegt. Dann ließ er Gustav Isaksen laufen, den dänischen Neuzugang, dessen Flachschuss in der 66. Minute genug war, um Milan-Trainer Stefano Pioli die zweite Niederlage binnen fünf Tagen zu bescheren. Die erste rote Karte gegen Matteo Guendouzi kurz vor Schluss? Nebensache. Sarri zog sich die Kapuze tiefer und sagte bei DAZN: "Die Jungs haben der Stadt ein Geschenk gemacht. Mehr braucht man nicht zu sagen."
Die Zahlen sprechen trotzdem: Lazio klettert auf Rang fünf, nur zwei Punkte hinter dem Champions-League-Rang drei. Milan bleibt hängen, die Scudetto-Party rückt in weite Ferne. Sarri aber redet nicht über Tabellen, er redet über Gänsehaut. "Wir haben in der ersten Stunde zwei, drei Konter liegen lassen, das war okay. Der Drop nach 70 Minuten war kalkuliert, wir haben vier Leute in der Reha, keine Wechselmasse. Aber die Moral, das Tempo, das war ein Statement."

Die saison der brüche
Er nennt sie "meine schwierigste Serie-A-Kampagne", und das will was heißen bei einem Mann, der Chelsea gewann und Juve trainierte. Verletzungspech, Ausfälle, interne Querelen – die Lazio-Bude wackelte. Gegen Milan standen mit Mario Gila und Adam Marusic zwei Notlösungen in der Viererkette. Dennoch: vier Siege in Serie, nur ein Gegentor. Sarri: "Wir haben nie gequietsche, nie den Betrieb verlassen. Das ist der Stoff, aus dem Rom träumt."
Ob die Fans auch beim nächsten Heimspiel gegen Cagliari wieder auf den Rängen sitzen? Unklar. Ein Teil der Ultrà hatte zuletzt wegen Ticketpreiserhöhungen und Sicherheitsvorschriften mit Boykott gedroht. Sarri winkt ab: "Ich bin kein Populist. Wer kommt, ist willkommen. Wer nicht kommt, hat seine Gründe. Ich bin Trainer, nicht Sozialarbeiter."
Der Blick nach voren richtet sich auf den neuen Flaminio, dessen Renderings der Klub am Freitag veröffentlichte. 2032 soll die Arena stehen, 52.000 Plätze, retractable roof, ein Stadion im Stadion. Sarri lacht trocken: "Bis dahin muss ich hoffentlich nicht mehr joggen, sondern nur noch Zigarre rauchen."
Fest steht: Lazio ist wieder in der Spur, Milan muss um die Champions-League zittern. Und Sarri? Der genießt den Moment, eine kalte Cola aus dem Plastikbecher, während draußen die Römer Nacht beginnt. Die Saison ist lang, aber manchmal reicht ein Abend, um sie zu retten.
