Italia zerlegt die short-track-wm: gold ohne fontana, neue helden explodieren
Die Eismaschine läuft heiß. Montreal zittert, das Azzurri-Triumvirat feiert. Nach 28 Jahren jagt Italien wieder sieben WM-Medaillen – und diesmal ohne Arianna Fontana auf der Bahn, nur mit ihr auf der Tribüne.
Die staffette lacht wieder
Pietro Sighel rast im letzten Wechsel an Kanada und Belgien vorbei, Elisa Confortola hält die Führung, Thomas Nadalini bringt den Vorsprung ins Ziel – 2:36.843 Minuten, Gold für die gemischte Staffel, genau wie in Milano-Cortina, nur ohne diesmal das verpatte Zielphoto. Die Maurice-Richard-Arena tobt, weil die Niederländerinnen sich selbst ausscheiden und Südkorea mitreißt. Es ist der Startschuss für eine Woche, in der Italien Short Track neu erfindet.
Die Zahlen sind hart: zwei Silber, drei Bronze, Platz vier im Medaillenspiegel – hinter Südkorea, den Niederlanden und Kanada, aber vor China und Ungarn. Das ist kein Zufall, sondern System. Dahinter stecken Nadalini, 23, aus dem Trentino, der über 1500 m Silber holt und zeigt, dass er auch ohne Fontana Tempo macht. Confortola, ebenfalls 23, Bormio, Bronze über 1000 m, nachdem sie schon in der Frauen-Staffett das Eis glattgebügelt hat. Chiara Betti, 24 seit Donnerstag, bronze über 500 m, Schwester Margherita gleich neben ihr im Finale – Debüt und Medaille in einem Atemzug.

Die neue garde schlägt durch
Luca Spechenhauser und Lorenzo Previtali rutschen in der Männer-Staffel zunächst auf Rang vier, doch eine fragwürdige Disqualifikation Südkoreas katapultiert sie aufs Podest. Bronze, unterm Strich trotz Sturz. Gloria Ioriatti liefert in der Frauen-Staffel den Schlussakkord, Silber hinter den Niederländerinnen. Und Sighel? Der „alte“ Mann des Teams, 25, verpasst über 500 m nur um zwei Zehntel das Finale, landet acht – und lacht trotzdem, weil er weiß: das Metall zählt nur als Staffel, aber die Geschwindigkeit bleibt.
Die Konkurrenz spielt die Rolle, die man ihr zuweist. Jongun Rim und Gilli Kim aus Südkorea sichern sich 1000 und 1500 m, Xandra Velzeboer holt für die Niederlande Gold über 500 m und in der Frauen-Staffel. Doch niemand rechnet mit Akar – Furkan Akar, Türkei, Bronze über 500 m. Neun Länder auf dem Podest, das zeigt: Short Track ist längst keine Fernost-Domäne mehr.
Fontana sitzt in Reihe 14, applaudiert, filmt mit dem Handy. Sie ist Ikone, aber keine Krücke mehr. Die neue Generation trägt das Zepter – und das tut gut. Die Uhr zeigt 28 Jahre zurück, bis L’Aia 1996, als Italien zuletzt so viele Medaillen sammelte. Der Vergleich hinkt nicht, er sprintet.
Die Saison ist vorbei, das Regal voll. Die Kurve nach Mailand 2026 wird enger, das Eis dünner. Aber wer jetzt noch fragt, ob Italien ohne Fontana kann, hat Montreal nicht gesehen. Die Antwort steht in sieben Medaillen – und in einem Satz, den Sighel nach dem Rennen in die Kamera brüllt: „Wir sind nicht die Zukunft, wir sind das Jetzt.“
