Sarajewo, kino, centre court: damir džumhur jagt jetzt sinner in miami

Die Kugeln flogen, als er das Licht der Welt erblickte – und er schlägt noch immer. Damir Džumhur, 1992 in Sarajewo geboren, während die Serben die Häuser seiner Straße dem Erdboden gleichmachten, trifft am Donnerstag in Miami auf Jannik Sinner. Kein Aufschläger, sondern eine Lebensgeschichte im Tiebreak.

Vom kriegsgeburtssaal zu position 23 der welt

Die Mutter floh während der Wehen in ein Kellerkrankenhaus, das tags zuvor von Granaten getroffen wurde. Drei Kilometer weiter brannte die Tennishalle, in der er später lernen sollte, wie man Vater und Feind mit einem Slice entmachtet. Mit zwölf spielte er bereits gegen Senioren, mit 14 stand er vor der Kamera – «Fuse», der Spielfilm über sein Leben, gewann den Goldenen Bär in Berlin. Doch das Kino verlor gegen das Feld. «Die Kamera lag schwer, aber die Racket gibt den Takt vor», sagt er knapp.

2018 war er die Nummer 23, dann rissen die Bänder, die Sponsoren, die Nerven. Runter in die Challenger, hoch in die Nachtzüge. 2021 schlug er Carlos Alcaraz in Belgrad – 6-2, 6-2 – und twitterte: «Kinder, das war nur die Vorschau.»

Kein vorhersage-modell für balkan-feuer

Kein vorhersage-modell für balkan-feuer

Sinner und Džumhur: 0-0 im Head-to-Head. Die Buchmacher sehen den Italiener klar vorn, 1,18 gegen 5,20. Die Statistik vergisst aber, dass Džumhur in fünf der letzten sieben Matches gegen Top-10-Spieler mindestens einen Satz stahl. Und dass er auf Hartplatz nicht mehr den Sand von Sarajewo im Schuh hat, sondern die Erinnerung an jeden Detonator.

Im Player-Tunnel wird er wahrscheinlich wieder diesen leisen Grinsen tragen – halb Schauspieler, halb Heckenschütze. «Ich spiele nicht gegen den Gegner», sagte er einmal, «ich spiele gegen alles, was vor mir lag.»

Miami mag Sonne, Sinner und Show. Aber wenn Džumhur die Racket schwingt, fliegt nicht nur Tennis. Fliegt Geschichte. Und die kennt keine Rangliste.