Sanremo women bringt die sprinterinnen zum zittern – wiebes jagt den doppelsieg
Am 21. März explodiert die Riviera. 156 Kilometer, vier Anstiege, ein Zielbogen. Die zweite Auflage der Sanremo Women schickt 140 Radprofi-Frauen auf dieselbe Strecke, über die seit 1907 die Männer fluchen – nur drei Stunden früher.
Der alte kurs, nur schneller
Start um 9 Uhr in Genua, dann Vollgas Richtung Capo Mele, Capo Cervo, Capo Berta. Wer dort nicht vorne liegt, verliert Luft. Hinten wird schon mal die Gruppe zerrissen. Danach folgt die Cipressa, 5,7 % Steigung, 5,6 km lang. Die Beine brennen, der Puls kocht. Kurz darauf der Poggio: 3,7 km, 4 % durchschnittlich, aber die letzten 500 Meter sausen bei 7 % – perfekt für Elisa Longo Borghinis Attacke vom Vorjahr. 2024 schlug sie zu früh, 2025 will sie es besser machen.
Um 14 Uhr rollt das Feld in die Via Roma. Lorena Wiebes wartet dort. Die Niederländerin von SD Worx-Protime gilt als schnellste Frau der Welt. Letztes Jahr jagte sie Longo Borghini noch im Sprint nieder. Diesmal ist sie Top-Favoritin – und sie weiß es. „Ich brauche nur, dass mein Zug bis zum Poggio zusammenbleibt“, sagte sie nach dem Training in Denia. Keine großen Worte, nur Zahlen: 14 Siege in der letzten Saison, eine Spurt-Top von 74 km/h.

Die italienische revanche?
Hinter Longo Borghini lauern weitere Heimheldinnen. Silvia Persico (UAE Team ADQ) kann auf flachem Terrain mithalten, aber auf den Anstiegen zählt jeder Watt. Chiara Consonni kann sprinten, muss aber vorher überleben. Und dann ist da noch Mavi García, die Spanierin mit italienischem Pass, die 2023 auf dem Poggio wegfuhr und erst im Ziel eingeholt wurde. Ihr Team, Liv Racing-TeqFind, testete in der Toskana neue Übersetzungen – mehr Speed auf der Abfahrt.
RCS Sport verlegt erstmals ein VIP-Finish-Grandstand für Frauen direkt hinter dem Zielbogen. Die Tickets waren nach 48 Stunden ausverkauft. Das sagt mehr über den Hype aus als jede Pressemitteilung. Parallel dazu erhöht die RAI die Live-Übertragung auf 90 Minuten – ein Novum für einen Frauen-Eintages-Klassiker.
Die Männer starten um 17 Uhr. Zwischen den Rennen bleibt gerade genug Zeit, die Barrikaden umzubauen und die Stimmung von „historisch“ auf „episch“ zu drehen. Die Frauen bekommen denselben roten Teppich – nur mit mehr Geschwindigkeit und weniger Geheimnis. Denn während die Männer-Taktik oft ein Poker bleibt, ist bei den Frauen klar: Entweder fliegt eine Spitzengruppe auf dem Poggio weg, oder Wiebes feiert den Doppelschlag. Die Wetter-App verspricht Sonne und 17 Grad. Ideales Sprinterwetter. Für Longo Borghini und ihre Attacke ein Albtraum.
Die Uhr tickt. Noch acht Tage. Wer in Sanremo an der Straße steht, wird zwei Rennen sehen – aber nur eins wird Geschichte schreiben. Das mit den 156 Kilometern und der schnellsten Frau der Welt. Oder mit der Italienerin, die endlich ihren Riviera-Traum wahrmacht. Für das Publikum ist es ein Fest. Für die Fahrerinnen ein Kampf gegen die Uhr, den Poggio – und gegen Wiebes’ Turbo. Die Via Roma wartet. Und sie verzeiht nicht.
