Sané darf gegen ghana ran – nagelsmann trotz basel-flop auf dem kriegspfad
Basel – Ein Fehlpass, zwei Ballverluste, null Durchbruchslust: Leroy Sané lieferte in der 4:3-Pleite gegen die Schweiz ein Lehrstück darüber ab, wie Nationalspieler ihren Marktwert in 90 Minuten verbrennen können. Julian Nagelsmann schaut trotzdem nicht weg. „Er bekommt Montag die nächste Chance“, sagt der Bundestrainer, als hätte er das katastrophale Solo des 30-Jährigen bereits vergessen.
Sanés galatasaray-realität war schon vor basel spürbar
Die Logik ist kaltschnäuzig: Wer in Istanbul seit Wochen nur Bank wärmt, darf in Stuttgart wieder von Anfang an ran – weil der Rhythmus fehlt, nicht trotzdem. Sanés letztes Pflichtspiel von der ersten Minute datiert vom 2. März, dem türkischen Cup-Viertelfinale. Seitdem saß er in den Top-Spielen gegen Fenerbahçe und Besiktas nur noch in der Kabine. Nagelsmann weiß das, zählt es ihm aber nicht hart an. „Wir können ihn nicht für Klub-Entscheidungen bestrafen“, sagt er, „wir können nur sicherstellen, dass er hier wieder Gas gibt.“
Das Problem: Gegen die Schweiz wirkte Sané wie ein Spieler, der vergessen hat, wie sich Gas anfühlt. Seine 34 Ballkontakte endeten meist in einer Zirkusvorstellung: erst der Haken, dann der Fehlpass. Die Statistik zeigt 4 von 11 angekommene Pässe in der gegnerischen Hälfte – ein Wert, selbst für einen Freistoßspezialisten beschämend. Dennoch schützt Nagelsmann seinen Schützling vor dem Shitstorm. „Ich erwarte keine Tore-Vorlagen-Explosion, ich will ein Gesamtbild“, betont er. Das klingt nach Lehrstunde, ist aber ein Seitenhieb gegen alle, die nach dem Schlusspfiff sofort Sanés Kopf forderten.

Ghana wird zur zerreißprobe – rotation nur auf dem papier
Montagabend in Stuttgart steht für Sané eine Startelf-Premiere bevor, die eigentlich keine ist. Jamal Musiala laboriert an der Hüfte, Florian Wirtz will Last-Minute-Risikovermeidung – plötzlich ist der ehemalige Manchester-City Flügelflitzer wieder gesetzt. Die Ghanesen werden mit ihrer berüchtigten Manndeckung anreisen; wer schwache Zweikampfwerte hat, wird ausgeliefert. Sanés letzte Zweikampfquote: 27 Prozent gewonnen. Das ist kein Rechenfehler, das ist ein Arbeitszeugnis.
Dennoch: Wer ihn schon einmal in der Arena aufSchalke gegen Italien 2016 erlebte, weiß, dass Sané in Sekunden von Null auf Hundert hochschalten kann. Die Frage ist nur, wie viele Sekunden ein Bundestracher übrig hat, wenn die WM nur noch acht Monate entfernt ist. Nagelsmanns Antwort kommt ohne Worthülsen: „Er morselt sich jetzt diese Chance, sonst wird sie kleiner.“
Die Uhr tickt. Sanés Vertrag in Istanbul enthält keine Nationalelf-Klausel, aber eine Erfolgsspirale, die sich nur durch Spielzeit dreht. Gegen Ghana darf er sie hochziehen – oder endgültig verlieren. Die 72 000 in der MHP-Arena werden nicht fragen, warum er bei Gala auf der Bank saß. Sie werden nur sehen, ob er jetzt liefert. Nagelsmann hat schon seinen nächsten Satz parat: „Keine Rechtfertigungen mehr.“
