Rüdiger biss die zähne zusammen: jetzt jagt er den fünften stern von der bank

Antonio Rüdiger spielt am Freitag in Basel nicht von Anfang an – und das ist keine Nachricht, sondern ein Statement. Julian Nagelsmann hat ihm die demütigende Wahrheit am Dienstag im stillen Kämmerlein gesagt, am Donnerstag der Nation: Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck bilden das neue deutsche Abwehr-Duo, der 81-fache Nationalspieler ist nur noch Ersatz. Rüdigers Reaktion? „Ich will kein Unruheherd sein.“

Der krieger schluckt den stein

Real Madrids lautstarker Verteidiger, sonst bekannt für sein Pressing gegen Gegner und Kameraobjektive, redet diesmal leise. Im „kicker“ lobt er Tah und Schlotterbeck ohne Neid, in der „FAZ“ gesteht er Szenen, „die deutlich drüber waren“. Das klingt nach Selbsttherapie vor 80 Millionen Zuschauern. Denn dahinter lauert die Bilanz eines Mannes, der 2017 noch den Confed-Cup hob, danach aber drei Großturniere in Folge früh verließ.

Nagelsmann nennt die Innenverteidigung sein „Herzstück“, das „nicht ständig verändert werden“ soll. Die Botschaft: Stetigkeit vor Stars. Doch der Bundestrainer räumt ein, dass Rüdiger während der WM in USA/Mexiko/Kanada „von Beginn an“ spielen wird – wenn die Reisebelastung, das Knie von Tah oder die eine oder andere Gelbe Karte die Karten neu mischt. Kurz: Er ist die Feuerwehr, kein Statist.

33 Jahre, 81 länderspiele, null zeit zum jammern

33 Jahre, 81 länderspiele, null zeit zum jammern

Rüdiger kennt die Mechanik von Turnieren. „Wir brauchen sowieso mehr als elf Spieler“, sagt er und meint damit 26, acht Flugrouten, 64 Spiele in 39 Tagen. Die Bedingungen werden „sehr fordernd“, das weiß auch Kapitän Joshua Kimmich, der seine Eloge auf die „Krieger-Qualitäten“ des Verteidigers noch vor dem Schweiz-Spiel absingt. Denn in der Kabine zählt längst nicht nur die Startaufstellung, sondern die Chemie, die Rüdiger mit seiner Präsenz stabilisiert.

Sein Klubtrainer Álvaro Arbeloa will ihm eine Statue im Garten setzen. Nagelsmann schenkt ihm eher eine Randrolle mit Zentrum-Option. Beides kann motivieren. Und wenn im Juli in Dallas das Finale steht, entscheidet nicht der Name auf dem Trikot, sondern wer nach 120 Minuten noch die Lunge auf dem Rasen liegen hat. Dann zählt jeder, der den fünften Stern tragen will – ob von der Bank oder von der ersten Minute an.