Rothfuss kassiert schlussspurt-befehl – drei sekunden zum traum

Andrea Rothfuss schwebt nicht mehr, sie hetzt. Nach dem Super-G der Super-Kombi liegt die 36-jährige Skitechnikerin acht und muss bis 12.55 Uhr im Slalom drei Sekunden und 0,14 Hundertstel auf das Podest wegzaubern. Der Cortina-Express rollt – und sie steht auf dem Bahnsteig, aber noch nicht auf Gleis Gold.

Der vierer vom vortag zählt nicht mehr

Rothfuss' vierte Platz im gestrigen Super-G war ein Signal, ein Aufatmen nach Kreuzband- und Patellaböden, nach Jahren, in denen sie sich öfter unters Messer legte als ins Starttor. Heute Morgen jedoch verrissen sich Schwung und Linie. „Die Kanten haben nicht gebissen, das Pulver war weich“, sagte Bundestrainer Wolfgang Pickl mit zusammengebissenen Lippen. Die Zeit: 1:33,48 Minuten – das reicht nur, um die Spitze der Konkurrenz anzufunkeln, nicht zu erreichen.

Die Rechnung ist gnadenhaft klar: Ebba Arsjö hat 2,05 Sekunden Vorsprung, Weltcupsiegerin Aurelie Richard 1,76, US-Amerikanerin Kelsey O'Driscoll 3,71. Rothfuss muss also mindestens eine halbe Sekunde pro Slalomdurchgang gutmachen – in einer Disziplin, die sie früher dominierte, heute aber als „Kampf gegen die eigenen Schatten“ bezeichnet.

Arsjö fliegt, rieder versinkt

Arsjö fliegt, rieder versinkt

Während Arsjö mit der Kälte einer schwedischen Nordseebraut die Piste runterrasiert, bleibt Anna-Maria Rieder auf Platz zwölf hängen, 12,75 Sekunden hinter der Führenden. Ihre Fahrt war ein Stottern aus Kantenfehlern und Richtungskorrekturen. „Ich habe die Line gesucht und nur Nebel gefunden“, sagte sie nach dem Lauf. Für sie ist die Kombi gelaufen, für Rothfuss einzig die Frage, ob der Slalom noch einmal ihre alte Magie entlässt.

Die Russin Warwara Worontschichina, gestern noch Super-G-Gold, flog heute nach einem verpassten Tor aus dem Rennen – ein Reminder, dass hier keine Konstante existiert, nur Momentblitze.

Livestream statt liftkarte

Livestream statt liftkarte

Wer mitfiebern will, braucht kein Ticket für Tofana, nur einen Klick: sportschau.de überträgt den Slalom ab 12.55 Uhr live, kommentiert von Marcel Seufert, der zwischen den Toren Zahlen und Geschichten gleichermaßen serviert. Drei Minuten, fünf Hundertstel, ein einziger Fehler – das ist der Mikrokosmos von Cortina 2026.

Rothfuss selbst blickt nach vorn, nicht zurück. „Ich bin nicht hier, um achte zu werden“, sagte sie noch vor dem Start. Jetzt liegt ihre Antwort irgendwo zwischen den Stangen von Tofana – und auf der Uhr, die um 12.55 Uhr wieder läuft. Drei Sekunden sind viel. Aber sie sind nicht unmöglich. Die alte Dame des deutschen Para-Ski hat schon größere Löcher aus ihrem Schnee gezogen.