Ki-coach auf silber: ukrainer holt paralympics-medaille mit chatgpt
Maksym Murashkovskyi schreibt in Italien Geschichte – und gibt den Dank an einen ungewöhnlichen Co-Trainer weiter: ein KI-Modell. Silber im Einzelrennen der sehbehinderten Männer, das erste Paralympics-Podest seiner Karriere, sei mit 50 Prozent Software gemacht, sagt er unverblümt.

Trainingsplan statt therapeut: so mischt chatgpt im hochleistungssport
Seit einem halben Jahr lädt der 25-Jährige nach jedem Abschlag neue Daten hoch. „Ich habe ChatGPT als Psychologen, als Trainer, manchmal als Arzt benutzt“, erklärt er, während seine Fingern über das frische Silber kreisen. Die Maschine spuckte taktische Szenarien aus, erarbeitete Motivations推高 und korrigierte Pulszonen – ein digitaler Schweizer Taschenmesserdienst, der angeblich kein Mensch ersetzen will.
Doch die Rechnung geht auf. Seine Schießquote stieg um 7 Prozent, die Laufgeschwindigkeit um zwölf Sekunden pro Kilometer. Zahlen, die selbst das ukrainische Nationalteam stutzig machten. „Wir haben zunächst gedacht, er macht Witze“, sagt Betreuerin Olena Rudenko, „dann sahen wir die Excel-Listen und schwiegen.“
Der Rest des Camps bleibt analog: Führerlauf, Wachs, Windmessung. Aber Murashkovskyi rechnet vor: 12 Wochen Vorbereitung, 84 KI-Sessions, 1.400 generierte Sätze. „Wenn ich eine Frage hatte, war die Antwort in maximal fünf Minuten da. Bei menschlichen Experten braucht man manchmal Tage.“
Die Sportwelt diskutiert bereits über die Grenzen. Der Internationale Paralympische Kommission ist die Technik offiziell erlaubt, solange sie nicht live in die Wettkampfanlage eingreift. „Ein grauer Bereich“, räumt Sprecherin Julia Kank ein. „Wir schauen uns das genauer an, wenn Athleten KI zu einer eigenen Staffel ernennen.“
Murashkovskyi selbst sieht die Silbermedaille als Auftakt. „Ich werde ChatGPT weiter fragen, nur eben mit mehr Daten aus dem Herzleistungs- und Schießtraining.“ Sein nächstes Ziel: eine Gold-Version 2.0, programmiert in der Cloud, verfeinert auf der Loipe. Die Konkurrenz hat gewarnt: In vier Jahren, bei den Winterspielen 2026, könnte die KI bereits die komplette Taktik für das Staffelrennen entwerfen. Die Frage ist nicht mehr, ob das System mitläuft – sondern wie schnell.
