Ronaldo blockiert portugal – shearer wirft machtmissbrauch vor
Ein 1:1 gegen DR Kongo, ein 41-Jähriger, der jeden Lauf zu spät antritt, und ein Trainer, der laut Alan Shearer gar nicht mehr wagt, den Superstar auf die Bank zu setzen. Die WM-Kampagne der Seleção droht, zur Ronaldo-Show zu kippen – und genau das könnte sie zerstören.
Die Bilder vom Mittwochabend sprechen eine klare Sprache: Ronaldo stolpert über den eigenen Ball, verpasst die Lücke zwischen Innen- und Außenverteidiger und verliert nach 67 Minuten 23 von 25 Zweikämpfen. Die Arena in Philadelphia pfeift nicht, sie seufzt. Eine Welle der Ernüchterung rollt durch WhatsApp-Gruppen und Twitter-Timelines. Denn wer denkt, dass sich der Meinungsumschwung nur in sozialen Medien abspielt, verkennt die Lage im Kabinentrakt: Spieler wie Rafael Leão und Pedro Neto warten nur auf ein klares Signal.
Martinez sitzt in der zwickmühle
Shearer, 260 Tore in der Premier League, kennt den Druck, den ein Idol erzeugt. „Roberto Martinez wird wahrscheinlich um drei Uhr nachts schweißgebadet aufwachen und sich fragen, ob er riskieren darf, Ronaldo rauszunehmen“, sagt er gegenüber Betfair. Die Frage ist berechtigt. Bei der letzten Pressekonferenz sprach der Trainer in acht Minuten 17 Mal von „Erfahrung“ und „Führung“, ohne ein einziges Mal das Wort „Leistung“ zu erwähnen. Das spricht Bände.
Das Problem: Ronaldo ist nicht irgendein Spieler, sondern eine Institution. Seine CR7-Marke sponsert die Busse der Nationalmannschaft, seine Logos schmücken die Trainingsanzüge der Jugendteams. Einen solchen Mann aus dem System zu schmeißen, ist schwerer, als eine Regierung zu stürzen. Martinez weiß das. Er hat beim FC Bayern gesehen, wie sich eine Mannschaft gegen einen Trainer stellt, der gegen die Stars verstößt. Sein Blick am Spielfeldrand war während des Kongos-Spiels leer, fast resignierend.

Messi wirft schatten – und zündet ein pulverfass
Während Ronaldo nach dem Schlusspfiff mit hängender Schulter in die Kabine schlurfte, hatte Lionel Messi zuvor drei Tore gegen Kanada erzielt und den WM-Torrekord auf 17 ausgebaut. Die Bilder liefen in der Mixed Zone auf Endlos-Schleife. Ein portugiesischer Journalist berichtete, dass Ronaldo beim Anblick des Monitors tatsächlich den Kopf schüttelte und leise „puta que pariu“ fluchte. Shearer: „Stell dir vor, dein größter Rivale feiert, während du selbst nur noch die Rolle des Statisten spielst. Das nagt.“
Die Zahlen sind gnadenlos: Ronaldo hat seit dem Achtelfinale 2022 kein Pflichtspieltor mehr für Portugal erzielt. Seitdem liefen 13 Partien. Die Erwartungshaltung steigt dennoch jedes Mal, wenn sein Name im Stadion erschallt. Die Fans in Philadelphia waren noch gnädig, weil es das erste Turnierspiel war. Gegen Usbekistan wird das anders aussehen. Ein weiterer Auftritt wie gegen Kongo und die Arena wird pfeifen – nicht nur Ronaldo, sondern Martinez.

Jetzt zählt nur noch das resultat
Usbekistan, Außenseiter, aber mit Tempo und jugendlicher Frische. Trainer Timur Kapadze wird seine Flügelspieler Otabek Shukurov und Husniddin Aliqulov auf die angeschlagenen portugiesischen Außenverteidiger hetzen. Falls Ronaldo wieder ins Mittelfeld abfällt, um Ballbesitz zu erzwingen, bleibt Portugal anfällig für Konter. Schon gegen Kongo kostete jeder verlorene Ball eine Szene, in der sich die Abwehr umorganisieren musste. Mit Ronaldo als falscher Neun klappt das nicht.
Shearer fordert den klaren Schnitt: „Wenn er in die Startelf kommt, muss Martinez ihn spätestens zur Pause tauschen. Sonst wird es keine Halbzeit mehr geben – die WM ist dann für Portugal vorbei.“ Die Uhr tickt. 72 Stunden trennen Portugal von der Entscheidung gegen Usbekistan. 72 Stunden, in denen Ronaldo entscheiden muss, ob er Teil der Lösung oder das Problem ist. Die Antwort wird das Turnier prägen – und vielleicht eine Ära beenden.
