Rolfes stützt hjulmand mit harter zange – doch der klassenrückstand brennt
Simon Rolfes schiebt die Guillotine weg, doch das Schwert bleibt über Kasper Hjulmand schweben. Nach dem 3:3 in Heidenheim versichert der Bayer-Sportchef: „Ein Trainerwechsel ist kein Szenario.“ Der Satz klingt wie ein Gnadenstoß in Vertagung – vier Punkte Rückstand auf die Champions-League-Ränge, nur noch sieben Spiele Zeit.
Der sieg, der wie eine niederlage schmeckt
2:0-Führung, dann kippt die Stimmung im Voith-Arena-Kabinenflur. Die Werkself verliert die Linie, Heidenheim schlägt zweimal zurück. Am Ende jubeln die Abstiegskandidaten, Leverkusen rauscht auf Platz sechs. Neun Pflichtspiele, nur ein Sieg – die Statistik riecht nach Februar 2003, als Klaus Toppmöller kurz vor dem Aus stand.
Rolfes redet sich warm: „In Momenten maximalen Drucks haben wir es schon geschafft.“ Gemeint ist vermutlich das 2:1 in Mailand, doch das ist 42 Tage her. Seitdem schleppt sich der Meister durch Gegenpresse-Kulissen, ohne Tempo, ohne Zugriff. Die xG-Kurve gegen Heidenheim zeigt ein 2,8:1,4 – die Tabelle dagegen eine Wahrheit, die keine schöne ist.

Die gegner kommen, der kalender nicht mehr
Leipzig und Stuttgart warten direkt, dazwischen Dortmund und Frankfurt. Kein Gegner unter 55 Punkten, kein Spiel mehr gegen die untere Hälfte. Die Rechnung ist simpel: Leverkusen muss 17 von 21 möglichen Zählern holen, um die 70-Punkte-Marke zu knacken – historisch die nackte Qualifikationsgrenze. Selbst dann winkt nur die Quali, nicht das sichere Ticket.
Hinter den Kulissen arbeitet Rolfes an der Kaderzange. Die medizinische Abteilung meldet Grimaldo und Andrich nur 75-Prozent-fit, Stanisic fällt wochenlang aus. Die Alternativen: ein 18-jähriger A-Jugendlicher und ein Rechtsfuß auf der linken Außenbahn. Die Taktik-Datenbank zeigt 34 unterschiedliche Startformationen in dieser Saison – Stabilität sieht anders aus.

Die fans singen, die kurve zittert
Am BayArena-Eingang hängt noch das Banner „Unschlagbar seit 2024“. Es flattert im Wind wie ein Erinnerungszettel an vergessene Tage. Gegen Heidenheim pfiffen eigene Anhänger nach der 70. Minute – keine Pfiffe, nur ein müdes Raunen. Die Ultra-Foren sprechen von „Identitätsverlust“, der Club twittert Trainingseinheiten mit Hashtag #zusammenhalt. Die Wirkung: 120 Rückfragen, keine Antwort.
Rolfes weiß: Garantien sind im Fußball Papier, das sich bei der ersten Packung zerreißt. Seine Jobgarantie für Hjulmand gilt bis zur 34. Minute der 34. Spieltag – danach zählt nur noch die Tabelle. Die nächsten 21 Tage entscheiden, ob aus der Krise eine Katastrophe wird oder doch noch ein Krimi. Leverkusen hat die Meisterschaft gewonnen, jetzt muss es lernen, nicht abzusteigen – zumindest von der Bildfläche.
