Klopp zieht bilanz: „diese frage kann ich nicht mehr hören“
Jürgen Klopp verdreht die Augen, bevor er antwortet. 01:02 Uhr, die Kamera läuft, die Frage steht im Raum – und sie nervt ihn. Wird er Bundestrainer? „Irgendwann mal“, sagen viele. Klopp sagt: „Irgendwann reicht’s.“

Das gerücht, das ihm die ohren zerreißt
Seit Wochen kursiert die Geschichte durch Talkshows und WhatsApp-Gruppen: Nach der EM 2026 könnte der DFB anklopfen. Klopp lacht nicht. Er ist müde vom Thema. „Ich bin gerade dabei, mein Leben in Liverpool neu zu sortieren, und dann kommt immer dieselbe Frage“, sagt er im Gespräch mit BILD. „Das ist wie ein Song, der sich endlos wiederholt – nur ohne Drop.“
Die Szene ist kurz, aber aufschlussreich. Klopp lehnt sich zurück, zieht die Kappe tiefer. „Ich habe Verträge, ich habe Pläne, ich habe keine Lust, jeden Monat meine Zukunft neu zu erfinden.“ Der 58-Jährige ist keiner, der sich in die Ecke drängen lässt. Schon als Kind in Glatten verhandelte er mit dem Vater über späte Heimzeiten – und gewann.
Die Logik der Gerüchte ist einfach: Hansi Flick läuft Vertrag bis Sommer 2026, danach ist offen. Klopp ist Deutschlands bekanntester Trainer, ohne Job nach Liverpool. Die Lücke füllt sich mit Wunschdenken. Doch wer ihn kennt, weiß: Klopp hasst reine Folgenrollen. Er will Hauptdarsteller oder nichts.
Intern heißt es beim DFB, man warte „ein Signal“. Es kommt nicht. Stattdessen ein Seufzer. „Wenn ich jedes Mal einen Euro bekäme, wenn mich jemand fragt, ob ich Bundestrainer werde, könnte ich mir ein zweites Haus am Bodensee kaufen“, sagt er trocken. Die Moderatorin lacht verlegen, die Kamera zoomt näher. Klopp bleibt ernst.
Die Wahrheit ist: Er will zunächst Pause. Vierzehn Jahre Dauereinsatz, sieben Titel, drei Klubs, ein Haufen Emotionen. „Ich will meine Enkel wiedererkennen“, scherzt er, aber es klingt halb so wild. Die Familie zieht zurück nach Deutschland, das Haus in Mainz wird renoviert, die Hunde warten.
Dennoch: Die Geschichte verschwindet nicht. DFB-Sportdirektor Rudi Völler schwärmt öffentlich von „einem Trainer, der die Nation mitreißt“. Klopp kann das. Die Frage ist nur, ob er will. Und wann der Moment kommt, in dem das Gerücht lauter wird als sein eigener Puls.
Bis dahin bleibt die Antwort dieselbe: „Fragen Sie mich in zwei Jahren wieder.“ Die Uhr tickt, die Kameras bleiben. Und irgendwo in Deutschland sitzt ein kleiner Junf, der schon jetzt von der WM 2030 träumt – mit Klopp an der Seitenlinie. Ob er sich die Frage dann noch einmal gefallen lässt? Keine Ahnung. Aber die Geduld wird dünner. Die Nächte auch.
