Robin cuche schlägt didier: doppelgold schon nach 24 stunden

Mailand/Cortina – Ein Schlag ins Kontor des Cuche-Clans, und er kommt aus eigener Familie. Robin Cuche, 27, Neffe der Abfahrts-Ikone Didier, feierte bei den Paralympics 2026 binnen eines Tages doppelt Gold – und machte damit die Medaillensammlung seines Onkels zur Fußnote.

Donnerstag, 9:47 Uhr, Abfahrt stehend: 1,84 Sekunden Vorsprung. Freitag, 11:02 Uhr, Super-G stehend: 0,96 Sekunden Vorsprung. Die Zahlen wirken lapidar, sind aber ein Spiegel für Leistung, die selbst im Weltcup des able-bodied-Ski alpin für Furore sorgen würde.

Der fehler, der keiner war

Im Ziel wirkte Cuche schier verärgert. Kopfschütteln, Gestikulieren, kurze Worte mit Trainer Manuel Kälin. „Mir ist genau der Fehler passiert, den wir markiert hatten – halber Druck, Tempo weg“, sagte er später. Was die Kameras nicht sahen: Sein Split am dritten Zwischensprint war dennoch der schnellste des Tages. Der Fehler bremste, aber nicht aus. „Unten habe ich wieder Vollgas gegeben, das hat gereicht.“

Die Goldmedaille war bereits die zweite innerhalb von 26 Stunden. Für einen Sportler, der wegen einer infantilen Hemiparese links nur 60 Prozent Kraft hat, ist das mehr als nur ein Erfolg – es ist ein Statement gegen jene Experten, die ihn nach seinem Weltcup-Sieg im Januar noch als „One-Hit-Wonder“ abgetan hatten.

Onkel didier? ein silberdrittel

Onkel didier? ein silberdrittel

Vergleiche sind unvermeidlich. Didier Cuche holte in seiner Olympia-Karriere 1998 in Nagano Silber im Super-G – sonst nichts. Robin Cuche hat das Depot nach einem Wochenende bereits übertrumpft. „Ich habe Onkel Didier erst einmal geschrieben: ‚Sorry, aber du bleibst jetzt hinter mir‘“, verrät der 27-Jährige mit einem schiefen Grinsen. Die Antwort habe aus drei Emojis bestanden: Daumen hoch, Skistöckchen, Bierglas. Schweizer Humor.

Die Dynamik im Team Schweiz trägt weitere Früchte. Mit Cuches Doppelsieg und Bronze von Christoph Broger ist die Delegation bereits nach zwei Tagen auf fünf Medaillen. Das Nationale Olympische Komitee reagierte gestern mit einer Sonderprämie: 35.000 Franken für jede Goldmedaille, 15.000 für Bronze. Cuche kassierte damit 70.000 Franken – steuerfrei, wie es in der Schweiz üblich ist.

Super-kombi endet im schneetor

Am Dienstag wollte Cuche nachlegen. Die Super-Kombination lag nach dem Slalom-Run ebenfalls in Reichweite, doch im Super-G-Teil rutschte er im oberen Steilhang weg, touchierte ein Tor und schied aus. „Das Risiko war zu hoch, ich weiß es selbst“, sagte er. „Aber mit zwei Gold ist der Druck weg. Jetzt kann ich wieder angreifen.“

Übrig bleibt eine Erkenntnis: Paralympic-Ski alpin ist kein Anhängsel mehr, sondern ein eigenes Spektakel. Die Zuschauerzahlen in Cortina lagen laut Weltverband IPC 23 Prozent über dem Vor-Olympia-Winter 2022. Die Schweizer Fernsehsender SRF und RSI meldeten für Cuches Super-G eine Einschaltquote von 38 Prozent – höher als jede bisherige Sendung der laufenden Ski-Weltcup-Saison.

Robin Cuche bremst nicht. Nächstes Ziel: Riesenslalom am Samstag. „Ich kann entspannt fahren. Alles weitere ist Zugabe.“ Sein Onkel wird vor dem TV sitzen – und vielleicht noch ein Bier öffnen.