Rino marchesi stirbt: der mann, der maradona zähmte
Rino Marchesi ist tot. Mit 88 Jahren verlässt uns der Trainer, der als Erster in Italien Diego Armando Maradona betreute – und ihm trotz dessen Exzessen Respekt einfloßte.
Von florenz bis turin: eine karriere zwischen pokalen und provokationen
Geboren in San Giuliano Milanese, wurde Marchesi zum adoptierten Sohn von Florenz. In der Fiorentina lief er am 25. September 1960 auf, gewann die Pokalsieger 1961 gegen die Rangers, zweimal die Coppa Italia und die Mitropa-Cup. Als Coach schwang er sich auf die europäischen Top-Bänke: Napoli, Inter, Juventus – immer dort, wo die Ego größer als die Taktik schien.
In Turin hantierte er mit Michel Platini, bastelte an der franzischen Präzisionsmaschine. Doch seine prägendste Episode blieb der Neapel-Sommer 1984. Der Klub zahlte damals Weltrekord-Ablöse für Maradona; Marchesi bekam den Weltrekord-Knaben zu bändigen. „Er trainierte nur, wenn er Lust hatte“, sagte Marchesi später. „Aber wenn er spielte, war es wie elf gegen elf – und er allein war die elfte Mannschaft.“
Die Saison endete ohne Titel, doch mit einem Mythos. Marchesi etablierte die berüchtigte 3-Stunden-Regel: Wer zu spät kam, musste drei Stunden früher erscheinen – auch Maradona. Der Argentinische liebte und hasste ihn dafür.

Ein leben jenseits der tribünen
Nach seiner Coach-Karriere zog sich Marchesi zurück, gab sporadisch Kommentare ab, meistens scharf, nie beliebig. „Moderne Spieler“, sagte er 2019, „kennen den Schmerz nicht mehr. Sie kennen nur den Instagram-Filter.“
Jetzt erlischt eine Stimme, die den italienischen Fußball zwischen Catenaccio und Commercialisation laut begleitete. Mit ihm stirbt ein Stück Narr, das Maradona zählte – und versteckte Disziplin, die ihn groß machte.
