Riera zündelt in der kabine – frankfurt vor dem hsv im selbstzerstörungsmodus

Albert Riera trat an, um die Eintracht zu „entlarven“, wie er intern nannte. Drei Monate später droht die Entlarvung des Trainers: Top-Torjäger Jonathan Burkardt durfte in Augsburg 88 Minuten auf der Bank gären, Mario Götze wurde dreimal nacheinander nicht mal mehr eingekleidet, Abwehrchef Arthur Theate sitzt seit Wochen zwischen Stuhl und Bank. Und keiner der Betroffenen weiß genau, warum – weil der Spanier sich nicht die Mühe einer Antwort macht.

Stillschweigen statt führung

Die Geschichte wiederholt sich. Wie hr-Sport und Bild übereinstimmend berichten, schickte Riera Co-Trainer Jan Fießer los, um Burkardt mit dem Vorwurf „zu hoher Körperfettwerte“ zu konfrontieren. Kein Gespräch, keine Erklärung, nur ein Kommentar im Vorbeigehen. Daraufhin schaltete Burkardts Berater Sportvorstand Markus Krösche ein – ein Akt, der in Frankfurt sonst nur bei Transfer-Streitigkeiten üblich ist. Die Kabine reagiert mit Stirnrunzeln, nicht mit Befehlsnotstand.

Das Problem ist nicht der durchgreifende Coach, sondern dessen Kommunikationsstil. „Er redet mit uns, als wären wir U-17-Spieler“, zitiert ein Profi den 43-Jährigen. Riera habe sogar einige Mitarbeiter nie begrüßt, heißt es intern. Der Ton sei „rau, teils respektlos“. Was bei José Mourinho funktioniert, weil Erfolge den Sound überdecken, wird in Frankfurt zur Eigendynamik: Ohne sportlichen Aufschwung wirkt jede Maßnahme wie Rache statt Strategie.

Punkteschnitt unter toppmöller – und keiner sieht europa mehr

Punkteschnitt unter toppmöller – und keiner sieht europa mehr

Die Zahlen sind gnadenlos. Seit Riera Ende Januar das Ruder übernahm, holte die Eintracht 1,36 Punkte pro Spiel – weniger als unter Dino Toppmöller (1,42). Dabei hatte der neue Coach ein Programm gegen die untere Tabellenhälfte: Sieben der elf Partien liefen gegen Abstiegskandidaten oder Mittelmaß. Dennoch steht Frankfurt weiter punktgleich mit Freiburg, nur dass der Europaplatz nun ausgerechnet über den HSV führen muss.

Am Samstag kommt Hamburg ins Waldstadion, selbst ein Europa-Anwärter. Verliert die Eintracht, rutscht sie auf Platz neun – und die Riera-Frage wird vom Twitter-Timeline-Thema zur Vorstandsetage eskalieren. Sportvorstand Krösche stand bürgerlich hinter dem Trainer, doch interne Umfragen der Fan-Vertreter zeigen: Die Sympathie für den „Durchgreifer“ schmilzt mit jedem verschmähten Star. Die Entscheidung fällt nicht am Grünen Tisch, sondern auf dem Rasen gegen den HSV.

Am Ende bleibt ein ironischer Befund: Riera wollte das Team von Egos befreien und schuf stattdessen ein Konstrukt aus schweigenden Leistungsträgern. Wenn Burkardt, Götze und Theate zusammen mehr Tore schossen als der aktuelle Kader in den letzten fünf Spielen, lautet die einfache Rechnung der Liga: Ohne Stars läuft’s nicht, ohne Kommunikation auch nicht. Und ohne Punkte ist selbst der härteste Durchgriff nur ein Stuhl, der sich langsam dreht.