Riera zerlegt seine eintracht: „wir sind kein top-team, wir sind ein trauerspiel“

Mainz – Die Kabinentür knallte laut. 90 Minuten zuvor hatte Eintracht Frankfurt schon den Ball ins Netz gedroschen, diesmal aber nur die eigene Zuversande geknallt. 1:2 in Mainz, Tabellenplatz 11, drei Punkte bis Europa – und keiner weiß mehr, wie man sie holt.

Riera rechnet mit seiner mannschaft ab

Albert Riera wartete extra fünf Minuten, bevor er vor die Mikros trat. „Nach Niederlagen brauchen die Spieler mich mehr“, sagte der Spanier, aber seine Stimme klang nicht wie Trost, sondern wie ein Rasierer. „Wir haben sechs, sieben Riesenchancen zugelassen. Das ist keine Bad-Luck-Story, das ist Arbeitsverweigerung.“

Die Statistik liefert ihm Recht: 2,3 Expected Goals kassierte die Eintracht, den höchsten Saisonwert. Die xG-Kurve schoss in der 78. Minute steil nach oben, als Mainz erneut frei durch die Mittelfalle sprintete. „Wenn du dominant sein willst, musst du ohne Ball top verteidigen“, zitierte Riera sich selbst – und klang dabei, als hätte er die Zeile schon hundertmal in die Wand geschrieben, ohne dass jemand sie las.

Dabei hatte er die Woche über genau diese Szene trainiert: Gegenst pressing, Kettenverschieben, Halbraum abdichten. Doch auf dem Platz blieb die Theorie Papier. „Ich sehe die Lücke, aber ich stehe nicht auf dem Feld“, sagte Riera. „Am Ende ist es eine Qualitätsfrage – und die liegt bei den Spielern.“

Die 50-millionen-euro-lehre

Die 50-millionen-euro-lehre

Was Riera als nächstes sagte, dürfte bis in die Nacht in einigen Whatsapp-Gruppen kursieren: „Wenn du gut kreuzt, wirst du ein 50-Millionen-Spieler. Wenn nicht, bleibst du bei fünf. So simpel ist das.“ Die Botschaft traf vor allem Jonathan Burkardt, der an diesem Abend zweimal den richtigen Zeitpunkt verpasste und einmal den Ball quer statt scharf legte. „Wir hatten viel Ballbesitz in den Räumen, wo es nicht wichtig ist“, sagte der Stürmer und klang selbst wie ein enttäuschter Kapitalanleger.

Die Aufstellung verriet schon vor Anpfiff, dass Riera die Offensive neu justieren will. Eggestein startete links, Götoperierte Mitte, Knauff rechts – ein Dreieck, das sich aber ständig in derselben Höhe bewegte und Mainz’ Viererkette nur vorverlegte, nicht spaltete. Die Folge: Kein Torschuss aus dem Zentrum zwischen Minute 30 und 75.

Und dann die Verletztenmisere. Nathaniel Brown laboriert an der Hüfte, Nnamdi Collins zog sich einen Muskelbündriss zu. Beide wackelten mit der Aussicht, die Länderspielreise in die Schweiz mitzumachen. „Ich habe noch Schmerzen, aber ich werde alles geben“, sagte Brown – ein Satz, der wie ein Eid klang, der aber auch bedeutet: Frankfurt muss in den nächsten Wochen wohl ohne zwei Leistungsträger planen.

Die Tabelle lügt nicht: Nach 14 Spielen steht die Eintracht bei 18 Punkten, dem schlechtesten Schnitt seit der Rückkehr in die Bundesliga. Die Europa-League-Plätze entfernen sich mit jedem Spieltag weiter in die Ferne, während Mainz nach dem zweiten Sieg unter Bo Henriksen auf Relegationsplatz klettert. Die Fans sangen nach Abpfiff „Wir sind wieder wer“, in Frankfurt dagegen fragt man sich, wer man überhaupt noch ist.

Riera machte keinen Hehl daraus, dass er keine Zauberformel kennt. „Wir Trainer sind keine Magier“, sagte er und schob die Verantwortung zurück auf die Feldspieler. Die Antwort darauf muss Samstag um 15.30 Uhr im Heimspiel gegen Bochum kommen – sonst droht der Eintricht bald der Blick auf den Abstiegsstrich statt auf Europa.