Wittek schießt gegen alt: schiri brüllte sich in bochum die seele aus dem leib
Patrick Alt pfiff bis aufs i-Tüppel korrekt, dennoch steht er nach dem Abpfiff im Mittelpunkt. Maximilian Wittek spart nicht mit scharfer Kritik – und trifft einen Nerv.
Der unparteiische, der nur noch schrie
Der VfL Bochum kassiert gegen Holstein Kiel das vierte Gegentor in drei Spielen, die Zweitliga-Misere schaukelt sich vor 25.000 in der Vonovia Ruhrstadion weiter. Doch was die Fans am Samstag mit nach Hause nehmen, ist nicht die Tabelle, sondern die Stimme von Patrick Alt – markerig, durchdringend, dauerpräsent. „Er ist nur am Schreien, ganz unangenehm auf dem Platz gewesen“, wettert Wittek, und plötzlich ist der Schiedsrichter die Hauptgeschichte.
Der 41-Jährige hatte die Partie laut DFB-Referees-Obmann Lutz Wagner „in den Grundsatzentscheidungen fehlerfrei“ gepfiffen. Gelb-Rot gegen Matus Bero? Korrekt. Elfmeter? Keiner. Handelfer? Nichts drin. Dennoch schwillt der Frust. „Wir konnten nicht mal neun Sekunden ruhig durchdribbeln, ohne dass uns ein Kommando um die Ohren flog“, sagt ein anderer Bochumer, der anonym bleiben will. Die Folge: ständiges Unterbrechungsgeplänkel, 47 Fouls, 5 Gelbe, ein Spiel, das nie in einen Flow kam.

Rösler nennt das zeitmanagement „ein kasperletheater“
Trainer Uwe Rösler sitzt 15 Minuten später im Presseraum, die Stimme noch rauer als nach seinem legendären Pokalfight gegen Bayern. „Permanent liegen Kieler auf dem Rasen, die Sekunden später sprinten, als wären sie auf Epinephrin“, schimpft er. Alt habe „das Zeitmanagement nicht gestutzt, sondern mitgemacht“. Die Zahlen untermauern ihn: 12 Unterbrechungen wegen vermeintlicher Verletzungen in der zweiten Hälfte, sechs Minuten Nachspielzeit, die sich Kiel clever zunutze machte.
Die TSG-Interne Video-Analyse zeigt: In vier Szenen springt ein Kieler nach hartem, aber fairen Zweikampf sofort wieder auf, läuft zur Eckfahne, als gäbe es ein Fitness-Geheimnis. „Das ist Regelverdacht auf Spielverzögerung, und der Schiri lässt sich instrumentalisieren“, sagt Co-Trainer Tomas Oral. Alt habe „den Ton nicht gesetzt, sondern nur nachgeplappert“.

Bochums wahre baustelle liegt aber woanders
Abseits der Refere-Debatte nagelt Rösler die Eigenanalyse an die Wand: „Wir kassieren zu einfache Tore, das ist Fakt.“ Acht Gegentreffer in 270 Minuten – so viel wie noch nie in dieser Saison. Die Defensive agiert wie ein offenes Tor, Innenverteidiger Erhan Mašović verliert Kiels Fin Bartels nach 73 Minuten völlig, das 2:3 fällt nach einem Konter, den vier VfL-Akteure nicht verhindern. Dabei hatten die Bochumer 21 Torschüsse, 1,9 xG, vier Großchancen in Unterzahl – und dennoch steht am Ende die zweite Heimpleite.
Die Statistik wird zur Droge: Nur einmal in den letzten 13 Zweitliga-Spielen hielt der VfL die Null. „Wir spielen mutig, aber ohne Absicherung ist das ein Selbstbedienungsladen“, sagt Torwart Manuel Riemann. Die Lösung: ein defensives Mittelfeld-Recycling, das Rösler in dieser Woche auf dem Trainingsplatz von Lohrheidestadt einstudieren will. Mit Erfolg oder nicht – am Freitag gastiert der Tabellenvorletzte SV Elversberg, ein Sechspunktespiel, das keine Geschrei-Show wird, sondern eine Frage der Tabelle.
Alt reist mit der Note 1,0 ab, bleibt aber die Ohrfeige für den DFB, dass selbst eine fehlerfreie Leistung nicht reicht, wenn die Kommunikation versagt. „Wir wollen Fußball, nicht Schiri-Pershing“, sagt Wittek und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Die Botschaft ist klar: Der VfL hat nicht nur ein Tore-Problem, sondern auch ein Stimmen-Problem. Und die nächste Lautstärke-Warnung kommt bestimmt.
