Riccardo cocciante wird 80: rai 1 ehrt eine musiklegende
Achtzig Jahre. Und eine Stimme, die keine einzige davon zu kennen scheint. Riccardo Cocciante feiert seinen achtzigsten Geburtstag, und das italienische Fernsehen reagiert mit einem Ereignisfilm, der weit mehr ist als ein biografischer Rückblick: Il mio nome è Riccardo Cocciante läuft am 4. März zur Primetime auf Rai 1 – und wer ihn live verpasst, findet ihn ab dem 5. März in der Dokumentarsparte von RaiPlay.
Kein porträt, sondern eine reise ins innere eines künstlers
Produziert von Daimon Film in Zusammenarbeit mit Rai Documentari, verweigert sich der Langfilm bewusst dem klassischen Biopic-Schema. Hier gibt es keine klinische Chronologie von Hits und Preisen. Stattdessen fließen das Private und das Professionelle ineinander – manchmal unbequem nah, manchmal überraschend zärtlich. Cocciante spricht selbst. Das ist der Unterschied.
Wer den Mann hinter Margherita und dem Weltphänomen Notre-Dame de Paris bisher nur als Bühnengestalt kannte, wird hier auf jemanden treffen, dessen Verhältnis zur Musik nicht Beruf ist, sondern Atemluft. Das klingt nach Klischee. Im Film klingt es nach Wahrheit.

Kollegen nehmen das wort – und das hat gewicht
Neben Coccantes eigenen Aussagen kommen Weggefährten und Kollegen zu Wort. Namen, die in der Ankündigung noch zurückgehalten werden, aber in der Welt des italienischen Musikschaffens Gewicht tragen. Solche Stimmen von außen sind es, die einen Dokumentarfilm vom Werbevideo unterscheiden. Sie erlauben sich Nuancen. Manchmal sogar Widerspruch.
Ich sage das als jemand, der Sportdokumentationen seit Jahren verfolgt und weiß, wie selten Zeitzeugen wirklich etwas riskieren, wenn sie über lebende Legenden sprechen. Hier scheint man dieses Risiko eingegangen zu sein.
Warum dieser film gerade jetzt zählt
Das Fernsehen neigt dazu, Jubiläen zu verwalten statt zu feiern. Eine Sondersendung hier, eine Compilation dort – fertig ist die Pflichtübung. Il mio nome è Riccardo Cocciante setzt sich von dieser Routine ab, zumindest dem Anspruch nach. Achtzig Jahre sind kein runder Anlass für Nostalgie. Sie sind ein Grund, genauer hinzuschauen, was einen Menschen so lange antreibt.
Cocciante hat Jahrzehnte überlebt, in denen ganze Musikgenres entstanden und wieder verschwunden sind. Er ist noch da. Das allein verdient mehr als eine Geburtstagstorte mit Kerzen im Abspann.
