Ricarda funk: von der krise zur wm-euphorie – endlich wieder frei!
Oklahoma, USA – Olympiasiegerin Ricarda Funk steht vor der Kanu-Weltmeisterschaft und strahlt. Nach einem turbulenten Jahr voller Zweifel und persönlicher Krisen scheint die Pfälzerin endlich wieder zu ihrer alten Stärke gefunden zu haben. Zwei Siege beim Heim-Weltcup in Augsburg Mitte Juni deuten auf eine beeindruckende Form hin – und lassen auf eine erfolgreiche WM hoffen.
Ein jahr der inneren zerrissenheit
Die Monate vor dem WM-Start waren für Funk alles andere als einfach. Nach den Olympischen Spielen in Tokio 2021, wo sie Gold gewann, kämpfte sie mit Selbstzweifeln und dem Gefühl, im Leistungssport festzustecken. "Ich hatte unzählige schlaflose Nächte", gesteht sie im Gespräch mit der Sportschau. Das Gefühl, gegen sich selbst anzukämpfen, nagte an ihr, obwohl sie weiterhin Erfolge feierte – unter anderem den Gewinn der Europameisterschaft und des Gesamt-Weltcups im Kajak Cross.

Der weg aus der krise: austausch und mentoring
Der Wendepunkt kam, als Funk sich professionelle Hilfe suchte und den Austausch mit anderen Sportlern suchte, darunter die Judo-Weltmeisterin Anna-Maria Wagner. Die Erfahrung, zu wissen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein war, gab ihr neue Kraft. Ein entscheidender Faktor war auch die Teilnahme am Mentoring-Programm „Matchplan“ der Deutschen Sporthilfe, bei dem sie unter anderem von Fußballtrainer Jürgen Klopp betreut wurde. "Dort erlebt man eine Reise zu sich selbst", so Funk. Die intensive Auseinandersetzung mit ihren Zielen und Werten half ihr, neue Perspektiven zu gewinnen.

Achtsamkeit und neue prioritäten
Funk hat gelernt, achtsamer mit sich selbst umzugehen und ihre Bedürfnisse stärker in den Vordergrund zu stellen. "Ich schaue, dass es mir gut geht. Dann bin ich am Ende auch leistungsfähig“, erklärt sie. Es ist ihr wichtig, ein Gleichgewicht zwischen Sport und Privatleben zu finden. „Jedes Nein zum Sport ist gleichzeitig ein Ja zu Regeneration“, betont sie.

Die wm in oklahoma: ein neues kapitel
Mit neu gewonnener Klarheit und innerer Stärke blickt Ricarda Funk nun der WM in Oklahoma entgegen. Die Strecke dort ist anspruchsvoll, aber die Olympiasiegerin ist bereit für die Herausforderung. „Es juckt mich etwas unter den Fingernägeln, wieder an diesem Start zu stehen“, gibt sie zu. Die Welt erwartet eine Top-Performance von der Pfälzerin – und Funk ist bereit, zu liefern.
Und was die Zukunft nach Oklahoma bringt? Funk möchte sich nicht nur als Sportlerin definieren. „Die Ricarda ist nicht nur die Sportlerin. Da ist noch mehr“, sagt sie mit einem Lächeln. Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sind noch kein Thema, aber eines ist sicher: Ricarda Funk hat sich neu gefunden und ist bereit für das, was kommt.
