Sechs hütten in den lombardei-bergen: jetzt auch ohne lift offen

Schnee bedeutet nicht Pause – zumindest nicht in den Alpen. In Valtellina, Val di Rezzalo und Val Biandino halten sechs Hütten durch, obwohl keine Seilbahn in Sichtweite ist. Für Tourengeher, Schneeschuhwanderer und jene, die das Echo ihrer Schritte hören wollen, ist das die saisontaugliche Alternative zu überlaufenen Gipfelrestaurants.

Resegone ohne gondel: 800 höhenmeter klingen harmlos

Der Rifugio Azzoni thront auf 1 860 m, nur wenige Meter unter der markanten Kante des Lecco-Wahrzeichens. Wer nicht über die Klettersteige kommt, stapelt sich über Morterone hoch: zweieinhalb Stunden, 800 Meter, Pulsschlag garantiert. Die Hütte bietet 18 Betten, geöffnet jedes Wochenende – aber nur, wenn das Lawinenbulletin grün blinkt.

Im Osten, über der Valtellina, wartet der Rifugio Alpe Granda. Von Ardenno in einer Stunde erreichbar, 30 Schlafplätze, Panorama auf Granitriesen wie Piz Badile und Cima di Castello. Die Zufahrtsstraße wird bei Bedarf mit dem Pistenfahrzeug gespurt – ein Luxus, der Zeit spart und Energie für die Nachbeben am Gipfel.

Triangolo lariano: riella serviert ausblick statt seilbahnbillet

Triangolo lariano: riella serviert ausblick statt seilbahnbillet

Der Rifugio Riella bei Como ist ein Sonntagsklassiker mit Familienbonus. 250 Höhenmeter ab Colma di Sormano, 90 Minuten auf breiter Schotterpiste, sogar mit dem MTB machbar. 24 Betten, 60 Sitzplätze, Blick auf den Lago di Como – und am Horizont schimmert Monte Palanzone wie ein versprengter Zuckerhut.

Wer mehr Einsamkeit sucht, steigt weiter nach Val di Rezzalo. Die Baita liegt 1 860 m hoch, 16 Betten, nur am Wochenende bemannt. Von Fumero geht’s auf Forststraße, dann durch weiße Stille bis zum Passo dell’Alpe oder Ghiacciaio del Savoretta – je nach Pulverschicht und Pulverlaune.

Val biandino: graswurzel-flair mit gipfelkontingent

Val biandino: graswurzel-flair mit gipfelkontingent

Der Rifugio Grassi ist die winterliche Drehscheibe der Valsassina. 1 987 m, 24 Betten, Anstieg ab Biandino mit 500 Höhenmetern in 90 Minuten. Für Experten lockt am nächsten Morgen der Pizzo dei Tre Signori – OSA-Route, also nur mit Erfahrung und LVS-Gerät. Die Sonne taucht die Grate in Kupfer, bevor der Schnee alles wieder weiß übermalt.

Die Palette komplettiert der Cimon della Bagozza oberhalb Schilpario. 40 Minuten ab Passo del Vivione, 20 Betten, Dienstag bis Sonntag geöffnet. Hauswein: Polenta mit „chél che ghè“, was immer gerade auf der Pfanne landet. Dahinter die „Kleinen Dolomiten“ Bergamos – ein Felskino, das selbst gestandene Alpinisten ins Schwärmen bringt.

Die Devise lautet: Vorab anrufen, Lawinenlage checken, Stirnlampe einpacken. Denn diese Hütten sind keine Hotels, sondern Schutzzonen – für Menschen, die wissen, dass echte Stille manchmal 800 Höhenmeter kostet.