Corinne suter jagt in val di fassa den nächsten paukenschlag

Die Schweizer Speed-Damen haben in Soldeu Luft geholt – jetzt wollen sie in Val di Fassa zeigen, dass das kein Zufall war. Corinne Suter treibt den Angriff an, das gesamte Team reist mit Stollengefühl nach Italien.

Der soldeu-coup war erst der beginn

Ein Sieg, ein Podest, ein Klick – so schnell kann sich die Stimmung im Schweizer Frauen-Speedteam drehen. Nach Monaten des Abwartens und des Zweifelns lieferte Corinne Suter in Andorra den Beweis: Die alte Stärke ist wieder da. Die 29-Jährige fuhr in der Abfahrt souverän zum Sieg, knapp 24 Stunden später folgte Platz drei im Super-G. Die Reaktion im Lager: Erleichterung, aber kein Jubel. „Wir wissen, wie schnell es wieder bergab gehen kann“, sagte Suter nach dem Rennen. Ihr Ton war nüchtern, fast kühl. Sie hat gelernt, dass Selbstvertrauen im Speedsport kein Dauerzustand ist, sondern ein fragiles Gut.

Das Tempo der Weltcup-Saison macht keine Gefangenen. Schon am Freitag geht es in Val di Fassa weiter, mit zwei Abfahrten am Freitag und Samstag sowie einem Super-G am Sonntag. Die Piste im Trentino gilt als anspruchsvoll, vor allem der Mittelteil fordert Linewahl und Nervenstärke. Genau jene Eigenschaften, die Suter in Soldeu wieder entdeckt hat. „Ich bin nicht mehr die Jüngste, aber ich bin hungriger als je zuvor“, sagte sie vor dem Abflug nach Italien. Ihre Teamkolleginnen spüren den Schwung. Malorie Blanc, die in Andorra als Fünfte überraschte, spricht von einer „Kettenreaktion“. Jasmine Flury, selbst zweimal verletzt in dieser Saison, will „endlich wieder voll angreifen“.

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Der Verband schickt keine Reserve, er schickt eine Armee. Neben Suter, Blanc und Flury gehören auch Janine Schmitt, Delia Durrer, Stefanie Grob, Jasmina Suter, Jasmin Mathis, Joana Hählen und Daria Zurlinden zum Aufgebot. Die Botschaft ist klar: Wer jetzt noch zögert, verpasst den Anschluss. Die Qualifikation für die Heim-WM in Saalbach steht auf dem Spiel, jede Startplatzierung zählt doppelt. Trainer Stefan Abplanalp hat intern klare Ziele formuliert: mindestens zwei Podestplätze im Trentino, ein Top-Ten-Resultat für die Nachwuchsgruppe.

Die Gegnerinnen sind gewarnt. Sofia Goggi, die nach Kreuzbandrückkehr in Soldeu schon wieder vorne mitfuhr, wird auf heimischem Schnee noch aggressiver starten. Lara Gut-Behrami, aktuell Gesamtweltcupführende, will ihre Serie ausbauen. Und dann ist da noch Mikaela Shiffrin, die in Val di Fassa schon oft getestet hat. Doch das Schweizer Lager reagiert gelassen. „Wir fahren nicht gegen die anderen, wir fahren gegen die Uhr“, sagt Corinne Suter. Ihr Blick ist ruhig, ihre Körpersprache entspannt. Die Angst ist verschwunden, zurückgeblieben ist der pure Wille.

Die Wetterprognose verspricht kalte Nächte und harte Pisten – ideale Voraussetzungen für Suters Stil. Sie mag es rau, mag es, wenn sich die Kante ins Eis beißt. Die Momente, in denen das Gesicht hinter der Brille zur Maske wird und alles andere irrelevant ist. Am Sonntagabend wird klar sein, ob Soldeu der Startschuss zu einem neuen Kapitel war – oder nur ein kurzer Lichtblick in einer ansonsten durchwachsenen Saison. Die Schweiz blickt nach Val di Fassa. Und Corinne Suter hat noch eine Rechnung offen.