Reisch fliegt fast aufs podest: 6,9 punkte fehlten zur sensation
Agnes Reisch schnürte die Skier, atmete tief durch und katapultierte sich beim Weltcup-Springen in Oslo vom 13. auf den vierten Rang. 125,5 Meter weit, Telemark wie aus dem Lehrbuch – doch am Ende fehlten 6,9 Punkte zur ersten Podiumsplatzierung ihrer Karriere.
Die 26-Jährige war nach Durchgang eins nur Außenseiterin, liegengeblieben bei 108 Metern und einem Gesicht, das schon verloren wirkte. Dann drehte sie auf dem Holmenkollen auf wie eine Bö. Die Mischung aus Druck, Gegenwind und purem Selbstvertrauen ließ sie abheben – und die Konkurrenz erstarren.
Nika prevc bleibt unschlagbar
Die Slowenin Nika Prevc feierte ihren 17. Saisonsieg, schon wieder. Diesmal musste sie aber zittern. Nach dem ersten Sprung nur Fünfte, legte sie im Finale 127 Meter hin und schob sich mit 2,4 Punkten Vorsprung auf die Japanerin Nozomi Maruyama an die Spitze. Prevc wirkt momentan wie ein Algorithmus: egal, wie windig, egal, wie spät – sie findet die Lücke zum Windfenster.
Für Reisch bleibt die Erkenntnis: Die Klasse ist da, nur die Konstanz fehlt. „Ich weiß, dass ich springen kann“, sagte sie mit zitternder Stimme im ZDF-Interview, „aber ich will nicht nur einmal glänzen, ich will regelmäßig vorn sein.“

Deutsches team sammelt punkte für planica
Neben Reisch schaffte nur Selina Freitag den Sprung in die Top Ten. Die 23-Jährige verbesserte sich auf Rang acht und sichert wichtige Weltcup-Punkte vor dem Saisonfinale in Planica. Juliane Seyfarth folgt auf Platz 18, Katharina Schmid und Anna Hollandt beenden ihre Laufbahn-Winter mit Rängen 25 und 27.
Die Bilanz: Deutschland hat keine Siegerin, aber eine Handvoll Athletinnen, die sich in Schlagdistanz bewegen. Bundestrainer Stefan Horngacher sieht das Positiv: „Wir haben vier Springerinnen zwischen Platz vier und 18 – das ist die Breite, die wir für die Zukunft brauchen.“
Der Weltcup zieht weiter nach Lahti, dann nach Planica. Reisch hat sich ihre Hausaufgabe gegeben: „Wenn ich zwei solche Sprünge zeige, stehe ich irgendwann auf dem Podest.“ Die Zeit wird zeigen, ob sie recht behält. Die Saison ist noch nicht vorbei – und die Lücke von 6,9 Punkten ist ein klares Ziel.
