Regionalliga-reform: kompass-modell rückt in sicht!

Die Debatte um die Zukunft der Regionalliga spitzt sich zu. Nach langem Hickhack scheint eine Lösung gefunden zu sein, die zumindest das Präsidium der DFL überzeugt: Das sogenannte Kompass-Modell, das eine flexible geografische Verteilung der Teams vorsieht, erhielt gestern einstimmige Zustimmung. Ein Wendepunkt, der die Strukturen des deutschen Amateurfußballs grundlegend verändern könnte.

Vier staffeln, gesteuert von ki

Das Modell sieht vor, die 90 Klubs der aktuellen Regionalligen auf vier Staffeln (Nord, Ost, West und Süd) zu verteilen. Dabei soll künstliche Intelligenz helfen, die Teams anhand der kürzesten Fahrtstrecken zu gruppieren. Das bedeutet: Ein Verein an der Grenze könnte je nach Auf- und Abstiegssituation in einer Saison in der einen, in der nächsten in der anderen Staffel spielen. Ein Umbau, der nicht ohne Kontroversen ist, aber nach Worten von DFL-Boss Hans-Joachim Watzke den Aufstieg der Meister in die 3. Liga gerechter gestalten soll.

„Meister müssen aufsteigen, wir halten vier Regionalligen im Kompass-Modell für richtig“, betonte Watzke gegenüber SPORT BILD. Bisher steigen lediglich die Titelträger aus dem Westen und Südwesten sowie im jährlichen Wechsel ein Meister aus Nord, Nordost oder Bayern in die 3. Liga auf. Das Kompass-Modell würde allen vier Meistern den Aufstieg ermöglichen – ein längst überfälliger Schritt, so viele Experten.

Der widerstand der verbände

Der widerstand der verbände

Doch nicht alle sind begeistert. Insbesondere der Nordost-Verband (NOFV) unter Präsident Hermann Winkler stemmt sich vehement gegen die Reform. Winkler bezeichnet das Regionen-Modell, das die Aufteilung der Regionalliga Nordost vorsieht, als „instinktlos“. Auch die Forderung des bayerischen Verbandspräsidenten Christoph Kern nach einer Aufstockung der 3. Liga auf 22 Mannschaften und fünf Regionalliga-Aufsteigern stößt auf wenig Gegenliebe beim DFB.

Die Initiative „Aufstiegsreform 2025“, die von 74 Klubs aus verschiedenen Ligen, darunter auch Traditionsvereine wie Schalke 04, Hertha BSC und Dynamo Dresden, unterstützt wird, drängt jedoch auf eine zügige Umsetzung des Kompass-Modells. Die Alternative, das Regionen-Modell, würde zu deutlich längeren Anfahrtswegen führen und die Attraktivität der Liga mindern, so die Befürchtung.

Die Präsidentenkonferenz des DFB am 14. Mai wird die Meinungsbilder der Regional- und Landesverbände einholen. Eine endgültige Entscheidung wird dort jedoch nicht getroffen. Die Umsetzung der Reform wäre frühestens zur Saison 2028/29 möglich, nach einer Qualifikationssaison 2027/28.

Die Uhr tickt. Ob das Kompass-Modell tatsächlich die Regionalliga-Landschaft neu ordnet, oder ob die Verbände noch einen Ruck durch die Verhandlungen bringen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der deutsche Fußball steht vor einem Umbruch, dessen Auswirkungen weit über die Amateurvereine hinausreichen werden.