Reggio emilia schreibt basketball-märchen: vom abstiegskampf zu den playoffs

Ein 36-Punkte-Sieg gegen Triest, drei Siege in Serie, Platz acht – Reggio Emilia feiert den größten Saison-Comeback der Serie A. Vor zwei Monaten noch Letzter, heute Playoff-Kandidat. Die Wende folgte auf einen einzigen Transfer-Coup: JT Thor.

Die suche nach dem perfekten zutaten

Präsidentin Veronica Bartoli stand vor der Kamera und lüftete das Geheimnis: „Wir haben nie an Coach Dimitris Priftis gezweifelt, wir mussten nur das Rezept ändern.“ Die Leiharbeiterin im Klubbüro nannte es „Weihnachtsmenü für 15 Profis umschreiben“. Weg waren Winston, Faye, Faried; dafür kam Stephen Brown als neuer Spielmacher, Troy Caupain rutschte auf Position zwei, Jaylen Barford wurde zur Joker-Waffe. Den Kronabschluss lieferte Riccardo Rossato, Nationalspieler aus Trapani. Doch der Dreh- und Angelpunkt ist 23 Jahre alt, misst 2,08 m und blockt 1,6 Würfe pro Partie – mehr als jeder andere in der Liga.

Thor selbst schmunzelt über die Statistik: „Ich springe einfach hoch und spüre, wo der Ball landet.“ Der US-Boy aus Anchorage fühlt sich in der kleinen italienischen Stadt heimisch – Bolognese statt Lachs, Erbazzone statt Eis. Nach drei NBA-Jahren in Charlotte, wo ihn kein Geringerer als Michael Jordan an 37. Stelle draftete, wagt Thor den Sprung nach Europa. Olympische Spiele mit dem Südsudan, Papa als Kriegsveteran, Kindheit zwischen zwei Kontinenten – seine Geschichte liest sich wie ein Drehbuch, das Hollywood nicht besser schreiben könnte.

Die besten zahlen des jahres

Die besten zahlen des jahres

Seit Dezember kassiert Reggio nur 72,2 Punkte – Bestwert der Liga. Das Team verliert weniger Ballverluste (9,5) als jede Konkurrenz und kombiniert das mit der effizientesten Offensive der Rückrunde. Die Quadratur des Kreises? Trainer Priftis verlangt 40 Sekunden Ballbesitz, sofern nötig, und setzt auf Switch-Defense, die Thor als Letzter Mann aufräumt. Gegnerische Guards fragen sich mittlerweile, ob der Dunk oder der Block kommt – beides gleich wahrscheinlich.

Heute Abend (20.30 Uhr, PalaBigi) steht das Viertelfinale der FIBA Europe Cup gegen den Favoriten Murcia an. Danach warten mit Sassari, Virtus, Brescia und Olimpia die Schwergewichte der Serie A. Für Reggio ist kein Gegner mehr zu groß. Die Fans singen schon jetzt „Thor, Thor“ – und meinen damit nicht den nordischen Gott, sondern den langen der Emilianer. Das Märchen geht weiter, und es endet nicht mit der Frage, sondern mit einem Statement: Wenn du unten anfängst, kannst du nur nach oben schauen. Reggio schaut – und sieht die Playoffs.