Reese lässt düsseldorf alt aussehen – herthas kapitän erklärt den gegnern den krieg
Fabian Reese war’s leid, sich rechtfertigen zu müssen. Also schlug er einfach zu. Dreimal. Düsseldorf kassierte eine 2:5-Klatsche, der Hertha-Kapitän schraubte sich mit zwei Toren und einem Assist an die Spitze der 2.-Liga-Scorerliste – und schickte nebenbei eine Botschaft an alle, die ihn schon abgeschrieben hatten.
Die serie beginnt im kopf
Reese’ Erinnerungsstütze: Herthas Siegesserie vom Herbst, ausgelöst durch ein 1:0 gegen genau diese Fortuna. Vor dem Spiel in der Arena sprach er die Worte, die seine Mitspieler später „die Kabinen-Rede“ nannten. Erinnern, wofür man steht. Der Effekt: vier Konter, vier Treffer, ein Debütant im Tor – und ein 28-Jähriger, der endlich wieder lacht.
Die Zahlen lügen nicht, sagt er selbst. 21 Scorerpunkte nach 27 Spieltagen, neun Tore, zwölf Vorlagen. Damit hat er den KSC-Marvin Wanitzek überholt, dem Pfosten verwehrte ihm sogar den vierten persönlichen Punkt. Es ist die Antwort auf ein halbes Jahr voller Rufmord: zu wenig Tore aus dem Spiel, zu viele leichte Ballverluste, zu viel Lärm um den Mann mit der Binde.

Vom flügel bis zur mitte – leitls reißleine
Stefan Leitl schob Reese im September aus der Sturmmitte auf den Flügel, strich ihm so die Defensivaufgaben, erlaubte ihm aber mehr Eins-gegen-eins-Situationen. Mal rechts, mal links, mal früh raus – die letzten beiden Partien gegen Nürnberg und Münster endeten mit Siegen, Reese durfte beide Male vorzeitig duschen. Der Trainer nannte es „Reizsetzung“, Reese nennt es „Arbeit“.
In Düsseldorf zeigte sich, wozu die Reizung führt. Die Berliner schalteten nach Ballgewinnen binnen Sekunden um, Reese startete wie ein Mittelstürmer, legte das 2:1 auf, erzielte das 3:1 und 5:2. Erstmals seit dem 5:1 in Braunschweig vor zwölf Monaten schoss Hertha wieder fünfmal ein. Die Konter-Könige sind zurück – und der Kapitän ist ihre Krone.

Die saison ist nicht gerettet, aber sein name schon
Der Aufstieg? Vier Punkte Rückstand auf Rang drei, sieben Spiele noch. Reese will nicht von Wiedergutmachung sprechen, sondern von Verpflichtung. „Wir haben noch sieben Termine, und in jedem steht unser Name drauf.“ Wer ihn kennt, weiß: Er jagt die 27 Punkte aus seiner ersten Hertha-Saison. Die 21 von jetzt sind nur eine Zwischenstation.
Am Sonntagabend sprach er mit rauer Stimme, das Shirt klebte am Rücken, die Kappe saß schief. Er sagte: „Ich bin stolz auf die Zahlen.“ Dann lachte er wieder. Denn manchmal reicht ein einziger Abend, um ein halbes Jahr zu tilgen. Düsseldorf war so ein Abend. Der Rest der Liga ist gewarnt.
