Marcel bär steht auf abstellgleis: aues torjäger zögert über zukunft
Am Horizont der Erzgebirge-Arena leuchtet Rot, und Marcel Bär schaut hin, als wäre es sein eigenes Stoppschild. Neun Punkte fehlen den Veilchen auf das rettende Ufer, acht Spiele bleiben, und der Mann, der den Klub mit 84 Toren in 267 Einsätzen zum zweiterfolgreichsten Drittliga-Schützen aller Zeiten gemacht hat, weiß: Vielleicht reicht selbst ein Tor pro Partie nicht.
Der achillesriss war erst der anfang
Im März riss ihm die Sehne, im Mai riss der Faden. „Nach meiner langen Verletzungspause hatte ich mir das anders vorgestellt“, sagt Bär der Freien Presse. Er wollte zurück in eine funktionierende Mannschaft. Stattdessen stieg er in ein brennendes Haus. „Gefühlt hat es an allen Ecken und Enden gebrannt.“ Die Worte klingen wie ein Abschiedsbrief, den er lieber nicht schreibt.
Doch der 33-Jährige tritt noch einmal ans Schreibpult des Platzes. Drei Spiele nach seiner Rückkehr liefert er die gleichen Zahlen wie der Rest: kein Tor, kein Sieg. Die einzige Konstante ist seine Frustration, die er hinter der Fassade von „Trend erkennbar“ versteckt. Wer genau hinhört, merkt: Er redet nicht vom Trend zum Klassenerhalt, sondern vom Trend zur Selbstverständlichkeit, dass sich die Räder „zunehmend ineinandergreifen“. Kleine Zahnräder in einem Getriebe, das am Ende trotzdem springen könnte.

Vertrag läuft aus, familie wartet
Im Sommer wird Bär 34. Seine Tore sind historisch, seine Gegenwart ist Gegenwart. Es gab noch keine Gespräche über eine Verlängerung, weil der Klub zuerst den Abstieg verhindern muss und Bär erst einmal das Abstiegsgespräch mit sich selbst führen muss. „Gemeinsam mit meiner Familie werde ich mir Gedanken machen“, sagt er. Die Familie sieht ihn jeden Samstag um 16 Uhr im TV, manchmal im Regen von Aue, manchmal im Schatten der Abseitslinie. Die Gedanken werden nicht leichter, wenn die Liga am letzten Spieltag vorbei ist.
Die Rechnung ist simpel: Wenn Aue runter muss, wird der Verein den Altersstar nicht hochladen. Wenn Aue bleibt, muss Bär sich fragen, ob er ein weiteres Jahr in ein Stadion rennt, das vielleicht wieder brennt. Die Antwort steht offen, genau wie das Tor, das er seit 476 Minuten nicht mehr getroffen hat.
Am Freitag geht es gegen Osnabrück. Vier Tage später in Dortmund II. Dann Waldhof, dann Viktoria Köln. Die Gegner klingen wie Stationsnamen auf einer Fahrkarte, die niemand kaufen will. Für Bär bleibt nur eins: „Ich versuche, der Mannschaft Qualität, Torgefahr und Präsenz zu geben.“ Ob das reicht, wird sich zeigen. Die Uhr tickt. Die Sehne heilt. Die Liga wartet nicht.
