Real madrid wartet: bayern muss alte geister vertreiben
Vinícius Júnior ließ sich nach dem 2:1 in Manchester auf die Schultern von Antonio Rüdiger packen und brüllte in die Kameras: „Lasst sie uns packen!“ Gemeint war der FC Bayern – und damit der Gegner, der den Münchnern in den vergangenen zwölf Jahren vier Mal den Traum vom Titel zerstörte. Am Freitag wird in Nyon ausgelost, doch die Stimmung ist längst entfacht: Real Madrid gegen Bayern, ein Klassiker, der sich selbst erfüllt.

Valverde und pitarch: madrids neue taktik gegen bayerns nerven
Federico Valverde jagt derzeit alles weg. Drei Tore in Manchester, davor ein Solo nach dem anderen – der Uruguayer hat sich von Xabi Alonsos defensiver Korsettrolle befreit und unter Álvaro Arbeloa zur Kanone umgeschaltet. Neben ihm wirbelt Thiago Pitarch, 18 Jahre, bislang zweite Mannschaft, plötzlich Mittelpunkt: Gegen Bernardo Silva und Rodri agierte der Teenager wie ein Pressing-Monster, das nur eins kennt: Ballerobern und sofort nach vorne. Arbeloa vertraut, Pitarch liefert – und Bayern bekommt genau das zu spüren, was es hasst: Temposchübe aus dem Nichts.
Die Zahlen sind hart: 14 Siege für Real, 12 für Bayern, 4 Remis – so lautet die Bilanz der 30 direkten Duelle. Doch die relevante Zahl lautet 2012. Seitdem hat der FCB kein K.o.-Duell gegen die Königlichen gewonnen. 2014, 2017, 2018 und zuletzt 2024 – jedes Mal führte Bayern, jedes Mal schlug Real spät zu. Joselus Doppelpack in der 88. und 90. Minute im letzten Halbfinale sitzt noch in den Knochen der Münchner.
Vincent Kompany hat diese Geschichten nicht verdrängt, er hat sie analysiert. Seine Mannschaft lief in Bergamo ein Ausrufezeichen auf, das sich sehen lassen kann: 4:1, 25 Schüsse, 65 Prozent Ballbesitz – das war keine Pflichtübung, das war Machtdemonstration. Dazu die Rückkehr von Manuel Neuer und die Form von Jamal Musiala, der gegen Atalanta zwei Debütanten in die Tasche steckte. Die Breite ist da, die Brust ist breit – und trotzdem: Wer gegen Real Madrid aufläuft, spielt nicht nur gegen elf Spieler, sondern gegen ein Selbstverständnis von 14 Champions-League-Trophäen.
Die Frage bleibt: Schafft Bayern diesmal den Knacks? Oder erlebt München wieder das Déjà-vu, das sich „Santiago-Bernabéu-Fluch“ nennt? Die Antwort fällt am 8. und 16. April. Bis dahin hat Kompany vier Wochen Zeit, um aus Geschichte Gegenwart zu machen – und um Vinícius Júnior die Huckepack-Freude zu verderben. Erste Prognose: Es wird eng, es wird laut, und es wird wieder 90 Minuten dauern, bis sich zeigt, ob 2012 endlich Vergangenheit ist.
