Rassismus-skandal in newcastle: geertruida fordert sofortige konsequenzen
Ein Schlag ins Gesicht des Fußballs. Lutsharel Geertruida musste sich beim Tyne-Wear-Derby anhören, wie ein Zuschauer ihn rassistisch beschimpfte – und das, obwohl erst 48 Sekunden der zweiten Hälfte gespielt waren.
Spielunterbrechung nach 48 sekunden
Anthony Taylor pfiff sofort ab. Er winkte beide Kapitäne heran, sprach mit den Trainern, ließ den 25-Jährigen seine Worte wiederholen. Die Premier-League-Schiedsrichter sind seit der Saison 2023/24 geschult, bei diskriminierenden Vorkommnissen sofort zu reagieren – und Taylor handelte nach Protokoll. Drei Minuten stand der Ball still, das Stadion verstummte, während die Kameras auf die Gesichter der Spieler zoomten.
Geertruida, erst im Winter von RB Leipzig an Sunderland verliehen, blieb ruhig. Er erklärte dem Referee, was er aus Block G7 vernommen hatte. Die Lautsprecher warnten daraufhin vor weiteren Beleidigungen, die Polizei nahm Personalien auf. Doch der Betroffene selbst wollte weiterspielen – ein Akt der Professionalität, der seine Kollegen sichtlich aufrüttelte.

Sunderland dreht die partie – und die tabelle
Chemsdine Talbi glich zuvor den frühen Rückstand durch Anthony Gordon aus, Brian Brobbey köpfte in der Nachspielzeit das 2:1. Sunderland springt auf Rang elf, Newcastle rutscht auf Platz 13 – erstmals seit fünf Spieltagen unter die rote Linie. Die sportliche Wende geriet angesichts des Eklats jedoch zur Nebensache.
Die Premier League kündigte an, die Bilder aus 48 Kameras auszuwerten, Tonspuren zu isolieren und das Fan-ID-System zu aktivieren. Sollte der Täter identifiziert werden, drohen lebenslange Stadionverbote und eine Anzeige wegen Beleidigung mit rassistischer Motivation. Newcastle United betonte in einer Mitteilung, man werde „null Toleranz“ zeigen und bereits interne Sicherheitskräfte in den entsprechenden Block verlegt haben.

Ein derby, das sich wiederholt
Bereits vor Anpfiff hatte die Northumbria Police einen 22-Jährigen wegen Körperverletzung festgenommen, Videos zeigten prügelnde Fangruppen am Milburn Stand. Die Kombination aus Gewalt und Rassismus wirft die Frage auf, ob die Eskalation der Rivalität zwischen den Clubs neu reguliert werden muss. Die Premier League will bis Mittwoch einen ersten Untersuchungsbericht vorlegen, der FA hat ein Verfahren eingeleitet.
Für Geertruida bleibt die Bewertung klar: „Ich will nicht, dass so etwas jemals wieder vorkommt. Aber wenn es passiert, müssen wir gemeinsam reagieren – sofort und deutlich.“ Seine Teamkameraden feierten ihn nach Abpfiff wie den Matchwinner, doch die Umarmung wirkte wie ein Bollwerk gegen das, was sich eine Reihe weiter hinten abspielte.
Der Sieg zählt, die Tabelle auch – doch das Geraune in den sozialen Netzwerken beweist: Solange ein einzelner Fan glaubt, rassistische Schmährufe seien Teil des Spieltags, hat der englische Profifußball ein Problem, das größer ist als drei Punkte.
