Rapid reicht ein sieg in salzburg – und die tabelle dreht sich komplett
Ein einziger Kick kann die Machtverhältnisse in der Bundesliga auf den Kopf stellen. Rapid reist am Sonntag nach Salzburg, gewinnt die Grün-Weißen dort erstmals seit 2019, schießen sie auf Platz eins. Drei Zähler fehlen, nicht mehr.
Salzburg ist plötzlich greifbar
Die Bullen taumeln mit nur einem Punkt aus den letzten drei Spielen in die Meistergruppe. Rapid dagegen hat sich mit dem 1:0 gegen genau diesen Gegner selbst den Eintritt gelöst und daraus eine Ladung Selbstvertrauen gezogen. „Jetzt ist natürlich vieles möglich, wenn man auf die Tabelle schaut“, sagt Sport-Geschäftsführer Markus Katzer, doch er presst sofort die Daumen auf den Ball: „Unser Ziel ist der Europacup-Startplatz.“
Mehr als ein Schlagersatz steckt hinter der Zurückhaltung. Johannes Hoff Thorup, seit Januar Trainer, zählt in seinem Büro die Muskelbündel seiner Startelf – und kommt auf erschreckende Zahlen. Daniel Nunoo, 19, die „positivste Überraschung“ des Dänen, fällt mit einer Oberschenkelblessur aus. Er ist der jüngste Eintrag auf einer Liste, die sich seit Monaten füllt.

Verletzungsflut statt meistertraum
„Fakt ist, es sind zu viele Verletzungen. Nicht nur in den vergangenen Wochen, sondern auch in den vergangenen Monaten und Saisonen“, sagt Hoff Thorup. Er hat Präsentationsunterlagen voller Grafiken, Trainingspläne, Ernährungsprotokolle – doch das rettet ihm keinen Spieler zurück. Stattdessen zieht er Alexander Steinbichler, den Head of Sport Performance, noch näher an den Trainingsplatz heran. Daten sollen helfen, aber Daten heilen keine Fasern.
Das Problem trifft Rapid vor allem vorne. Janis Antiste und Andreas Weimann laufen auf Leihbasis, beide treffen, beide bleiben nur, wenn der Verein zahlt. Antiste erlöste sich mit dem Siegtor gegen Salzburg die Kaufoption – Sassuolo verzichtete auf die Klausel. Weimann, 34, soll nach dem Sommer bleiben, Katzer schwärmt: „spielerisch und mit seiner Erfahrung, aber auch mit seiner Persönlichkeit ein Puzzlestück, das uns in verschiedenen Spielen gefehlt hat.“ Ein Satz, der klingt wie ein Vertragsangebot in Zeitlupe.

Die fans sollen wieder glauben
Hoff Thorup redet nicht nur mit Medizinern, sondern auch mit der Süd-Tribüne. „Für mich ist es ein Neustart“, sagt er über die Phase, in der Rapid zwölf Pflichtspiele in Folge sieglos blieb. Der Coach versteht den Frust, will ihn umfunktionieren. „Wir haben nach dem Salzburg-Spiel nicht die Champagner-Flaschen aufgemacht“, betont er. Höhere Erwartungen? „Ja. Und diese Woche haben wir damit angefangen.“
Am Sonntag ist Salzburg mehr als ein Gegner – es ist das Thermometer für einen Verein, der zwischen Angriff und Arztpraxis pendelt. Gewinnt Rapid, liegt es einen Punkt vor den Bullen. Die Tabelle lügt nie, sie erzählt nur selten die ganze Geschichte.
