Rangnick zieht den joker: chukwuemeka und wanner sollen österreich 12 jahre tragen
Ralf Rangnick hat es offenbar geschafft, wo andere Verbandschefs scheitern: Er hat zwei deutsche Top-Talente für Österreich geöffnet – und sich damit ein Jahrhundert-Duo gesichert. Carney Chukwuemeka und Paul Wanner stehen erstmals im März-Kader, sollen gegen Ghana und Südkorea ran und dann für ein ganzes Jahrzehnt die rot-weiß-rote Mittelfeld-Zukunft bestimmen.
Die geduld-strategie zahlt sich aus
Rangnick spricht von einem «Transfer-Coup», der in der Nationalmannschaft sonst nicht möglich wäre. «Wenn wir ein Verein wären, würde man sagen: Zwei nicht ganz so verkehrte Transfers», lacht der 65-Jährige. Die Botschaft an die Konkurrenz im Lager ist klar: Wer bisher auf den Außenbahnen spielte, muss sich neu erfinden. Chukwuemeka und Wanner sind keine Flügelstürmer, sondern dynamische Acht- oder Zehner, die Rangnicks System der drei tauschfreudigen Spielmacher perfekt bedienen. «Der Konkurrenzkampf wird nicht kleiner, aber er belebt das Geschäft», sagt er. Kurz: Die etablierten Kräfte wie Sabitzer, Baumgartner oder Laimer bekommen mächtig Druck.
Hinter den Kulissen hatte der ÖFB monatelang Kontakt gehalten, ohne die Spieler zu drängen. Rangnick: «Wir haben ihnen signalisiert, dass wir sie wollen – aber wir haben sie nicht überrannt.» Die Strategie funktionierte. Chukwuemeka, erst 20, sagte Chelsea den Wechsel ab und stellt sich auf Anhieb in den Lehrgang. Wanner, 19, folgt aus München, wo er bei Bayern bisher nur Kurzeinsätze erhielt. Beide könnten schon im Sommer für die WM-Quali richtig durchstarten.

Alaba kehrt als spieler zurück
Die Personalie David Alaba wirft ebenso Schatten wie Licht. Nach monatelanger Verletzungspause ist der Real-Star wieder nominiert – diesmal nicht nur als «Non-Playing-Captain», wie Rangnick die EM-Variante bitternennend nennt. «Ich will ihn auf dem Platz, nicht nur neben der Bande», sagt der Teamchef. Alaba selbst habe um die Nominierung gebettelt. Maximilian Wöber kommt ebenfalls zurück, nachdem er in Leeds fest in der Startelf stand.
Neu dabei ist auch David Affengruber vom spanischen Erstligisten Elche. «Wir wollten ihn mal persönlich sehen», begründet Rangnick die Einladung. Torhüter Florian Wiegele sorgt als vierter Keeper für Diskussionen: 2,03 Meter groß, Europa-League-Praxis mit Pilsen, ein Profil, das es im ÖFB-Pool so noch nicht gab. Nicht mit von der Partie ist Rapid-Jungspund Nikolaus Wurmbrand – der darf bei der U 21 in Belgien und gegen Belarus auflaufen.
Die Marschroute ist klar: Gegen Ghana will Rangnick erste chemische Experimente wagen, drei Tage später folgt Südkorea. Beide Spiele sind Testläufe für die WM-Quali im Herbst. «Wenn Chukwuemeka und Wanner zeigen, was sie können, haben sie die Tür zur Endrunde offen», sagt er. Die Uhr tickt – für Rangnick und für ein ganzes Land, das sich nach einem neuen goldenen Generationstraum sehnt.
