Rangnick zieht bei chukwuemeka den stecker – bvb steht plötzlich schlecht da

Ralf Rangnick liebt klare Linien. Jetzt zog er eine quer durchs Westfalenstadion. Die Sprachlosigkeit, die er beim österreichischen Team-Siegtreffer von Carney Chukwuemeka beobachtete, war offenbar symptomatisch: Der 22-Jährige spricht fast kein Deutsch – und das, obwohl er seit 18 Monaten für Borussia Dortmund spielt.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen“, sagte Rangnick nach dem 4:1 gegen Ghana, „wenn Vereine Spieler holen, sind sie für den Deutschunterricht zuständig.“ Der Satz traf den BVB wie ein versteckter Freistoß ins Kreuß. Intern heißt es, man fühle sich „völlig überrumpelt“. Schließlich habe man dem Engländer mit österreichischem Pass Extra-Tandem-Partner, interkulturelle Workshops und sogar einen „Language Buddy“ zur Seite gestellt. Nur: Pflicht-Deutsch gab es nie.

Warum der vorwurf gerade jetzt stinkt

Der Zeitpunkt ist pikant. Dortmund bastelt an einer neuen Teamidentität, in der Kommunikation das höchste Gut ist. Trainer Nuri Şahin setzt auf Presing, Positionswechsel und Mikro-Korrekturen – alles Dinge, die im Training funktionieren, wenn jeder sofort versteht, was gemeint ist. Dass der neue Shootingstar auf der 10 dabei ständig „translate, please“ murmeln muss, passt ins Bild wie ein Pink-Panther-Trikot ins Südtribünen-Mosaik.

Rangnick wiederum kennt das Spiel mit der Sprache als Cheforganisator. Bei Hoffenheim und Leipzig ließ er dreimal pro Woche Klassenzimmer aufstellen – Fehlen war keine Option. Seine Logik: „Wenn ich Spieler dazu zwinge, sich gesund zu ernähren, warum dann nicht auch, die Landessprache zu lernen?“ Die Analogie ist hart, aber nicht unbegründet. In der Kabine wird zwar meistens Englisch gesprochen, doch auf dem Platz retten Sekundenbruchteile Spiele. „Links außen!“ muss nicht erst übersetzt werden, wenn Gegner schon den Pass abfangen.

Die Zahlen sprechen für sich: 13 neue Ausländer seit 2024, fünf davon unter 23 Jahren, keiner spricht fließend Deutsch. Die Vereinsführung argumentierte bisher, man wolle Jugendliche „nicht überfordern“. Klingt nach Fürsorge, wirkt außen hin wie Bequemlichkeit. Denn wer den Sprachkurs schwänzt, spielt trotzdem. Die Konsequenz: Ein Verein, der einst für gelbe Wand und Heimatgefühl stand, verliert Stück für Stück die Bodenhaftung.

Chukwuemekas fall ist ein spiegel

Chukwuemekas fall ist ein spiegel

Der Mittelfeldstratege selbst zeigte sich in Wien sichtlich überrascht über den Wirbel. Nach seinem Tor jubelte er mit dem „Oida, bist du deppert?“-Sager, das war’s dann aber auch schon mit Wienerisch. Die restlichen Antworten lieferte er auf Englisch – souverän, aber eben nicht auf Rangnicks Kommando. Sein Weg führte ihn von der Chelsea-Academy nach Birmingham, dann nach Dortmund. Integration bedeutete bislang: neues Auto, neue Wohnung, neue Liga. Neue Sprache? Optional.

Der ÖFB profitiert kurzfristig: Ein talentierter Offensivmann, der in der Bundesliga Spielzeit sammelt, ist ein Gewinn. Langfristig aber könnte Rangnicks Seitenhieb den BVB teuer zu stehen kommen. Sponsoren buchen Dortmund wegen der Emotionalität, der Verbundenheit. Was, wenn die Marke „Heimatverein“ plötzlich laut Studien nur noch auf Englisch funktioniert?

Intern sickerte durch, man erwäge nun, Sprach-Coachs wieder zur Pflicht zu machen. Die Uhr könnte also zurückgedreht werden – ausgerechnet auf Druck des ÖFB-Sportdirektors, der einst die deutsche Fußball-Scholastik revolutionierte. Ironie der Geschichte: Wer sich selbst als Sprachpolizist aufspielte, muss nun zusehen, wie sein eigener Klub künftig Vokabeln paukt.

Für Chukwuemeka ändert sich vor allem eins: Er kann nicht mehr unter dem Radar fliegen. Rangnick hat ihn zum Lehrbeispiel erklärt. Nächstes Mal, wenn er auf dem Platz steht, wird nicht nur sein Treffen gewertet, sondern auch sein „Verstehst du mich?“. Die Lektion ist klar: Talent öffnet Türen, Sprache hält sie offen. Und wer sie nicht beherrscht, riskiert, dass sie ihm irgendwann vor der Nase zuknallen.