Hsg wetzlar wirft nationalkeeper raus – abstiegskampf eskaliert
Karim Hendawy packt seine Koffer, die HSG Wetzlar rutscht tiefer in den Strudel. Der ägyptische Weltklasse-Torwart und der Tabellenletzte der Handball-Bundesliga lösen den Vertrag mit sofortiger Wirkung auf – mitten im Abstiegsgipfel, drei Spieltage vor dem Saisonende.
Der 35-Jährige kam im September als Notnagel für Kreuzband-Opfer Bart Ravensbergen, doch dann schnappte sich der Klub auch noch Andreas Palicka. Seitdem saß Hendawy meist in der Reihe, während Palicka und Anadin Suljakovic den Kasten teilen. Drei Keeper, klar: Einer musste gehen.

„Wir legen ihm keine steine in den weg“
Michael Allendorf, Sport-Geschäftsführer, spricht von „einvernehmlich“, doch die Zahlen sprechen eine schärfere Sprache: 4,9 Gegentore pro Spiel weniger, wenn Palicka zwischen den Pfosten steht. Hendawy bekam in 2023 nur 178 Minuten – das ist weniger als zwei komplette Partien. „Karim hat sich vorbildlich verhalten“, sagt Allendorf, „aber er will im Ausland noch einmal angreifen.“ Wetzlar zieht die Reißleine, statt aufzuhalten.
Die Folge: Die HSG muss die Restsaison mit nur zwei Torhütern bestreiten. Ravensbergen fällt weiter aus, Palicka trägt die Last. Die Defensive ist bereits die zweitschwächste der Liga; jetzt fehlt auch noch die Option vom Wechsel. Hendawy hingegen dürfte innerhalb von Tagen bei einem Mittelmeer-Klub unterschreiben – Stichwort „neue Herausforderung“, laut Agentur.
Ein Blick auf den Spielplan zeigt, warum jede Personalie brennt: Wetzlar gastiert am Samstag bei Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten – direkter Konkurrent im Keller. Verlieren, und der Rückstand auf den Relegationsplatz wächst auf vier Punkte. Die Fans reiben sich die Augen: Ausgerechnet jetzt den Keeper mit der meisten internationalen Erfahrung gehen lassen?
Doch intern heißt es, Hendawy habe selbst den Gang ins Büro gewagt und um Freigabe gebeten. Die Vereinsführung spürt den Druck der Kapitalgesellschaft hinter dem Projekt; Abstieg würde TV-Gelder kosten und Sponsoren verprellen. Statt eines Ego-Duells gab es ein Handschlag und ein „Danke für den Einsatz“.
Für Hendawy endet ein zwiespältiges Kapitel: 14 Spiele, 37 Paraden, kein Sieg in seiner Startformation. Für Wetzlar beginnt die Zitterpartie ohne Sicherheitsnetz. Die Message ist klar: Wer nicht spielt, fliegt – selbst wenn er mal zu den besten seiner Welt zählte.
