Rangnick jagt sieg statt experiment: ghana-test wird zur standortbestimmung

Ralf Rangnick lügt nicht einmal beim Kickerspiel. „Es gibt keinen Ersatz für Siege“, sagt er, während 40.000 Tickets fürs Happel-Stadion weg sind – ein Freundschaftsspiel, das sich wie ein Pflichttermin anfühlt.

Österreich startet am Freitag (18.00 Uhr, live auf kicker) ins WM-Jahr. Ghana ist nur Rang 72 der FIFA-Weltrangliste, doch der ÖFB-Teamchef will „physisch und taktisch-technisch“ liefern. Er will beides: Sieg und Sichtung. Elf Wechsel erlauben das neue Regelwerk, er wird fast jedem Akteur Spielminuten gönnen. Die Frage ist nur, wann.

Debüt für wanner und chukwuemeka kurz vor mitternacht

Paul Wanner und Carney Chukwuemeka haben ihre Entscheidung getroffen: Deutschland und England dürfen sie ziehen, sie wollen Rot-Weiß. Vier Tage Marbella reichten Rangnick als Bestätigung. „Beide haben das bestätigt, was wir uns versprechen“, sagt er. Ob sie starten oder kurz vor Abpfiff kommen, behält er sich vor. Das Duo ist die Zukunft, aber die Gegenwart heißt Ghana.

Die Westafrikaner reisen ohne Tottenham-Star Mohammed Kudus und Athletic-Captain Iñaki Williams an. Das schmälert die Attraktivität, nicht die Härte. Antoine Semenyo vom FC Manchester City bringt Tempo mit, und die Ghanaer laufen, als wäre das Spiel ein Termin beim Gewichtheber. Rangnick weiß: „Ein wunderbarer Test für uns.“

Alaba trainiert, schlager pausiert

Alaba trainiert, schlager pausiert

David Alaba steigt wieder ins Mannschaftstraining ein, nach Wadenproblemen. Ein Einsatz gegen Ghana ist unrealistisch, doch die Rückkehr in die Gruppe zählt. Xaver Schlager fehlte am Donnerstag komplett. „Ich gehe davon aus, dass er gegen Ghana eher nicht zum Einsatz kommt“, sagt Rangnick. Gegen Südkorea am Dienstag soll Schlager wieder dabei sein – wenn seine Oberschenkel mitspielen.

Maximilian Wöber fällt ganz aus. Die Innenverteidigung bilden vorerst Stefan Posch, Kevin Danso, Marco Friedl und Alexander Prass. Vor ihnen laufen Nicolas Seiwald und Konrad Laimer, der am Vorabend des Ghana-Spiels als Österreichs Fußballer des Jahres 2025 geehrt wird. Dahinter steht Michael Gregoritsch als Spitze. Romano Schmid, Christoph Baumgartner und Marcel Sabitzer sorgen für Ideen.

Heimmacht seit 15 monaten ungeschunden

Heimmacht seit 15 monaten ungeschunden

Die Heimserie lebt. Elf Länderspiele in Folge blieb Österreich im eigenen Stadion ungeschlagen, zuletzt unterlag man im Oktober 2023 Belgien mit 2:3. Rangnick will die Serie ausbauen, um den Schwung für das zweite Testspiel gegen Südkorea mitzunehmen. Die Logik ist simpel: Wer gewinnt, lockt Fans. Wer Fans lockt, verkauft Tickets. Und Tickets finanzieren den Verband.

40.000 Zuschauer für ein Testmatch – das ist mehr als mancher Klub in der Bundesliga hinbekommt. Rangnick nimmt das als Kompliment, aber auch als Druck. „Wir wollen mit einem richtig guten Spiel auch für den Test am Dienstag möglichst viele Leute ins Stadion locken“, sagt er. Die Botschaft ist klar: Kein Schongang, kein Testlauf. Ghana soll lehren, wo Österreich wirklich steht.

Die letzte Begegnung zwischen beiden Verbänden liegt 17 Jahre zurück. 1:1 in Graz, 10.600 Zuschauer. Diesmal sind es vier Mal so viele, und die Erwartungshaltung wächst. Rangnick hat 23 Profis im Gepäck, zwei davon noch ohne Länderspielminute. Er wird sie alle einsetzen. Nur eine Konstante bleibt: Sieg ist Programm. Alles andere wäre ein Luxus, den sich der ÖFB im WM-Jahr nicht leisten kann.