Rangnick dämpft wm-euphorie nach 5:1 – die stars müssen jetzt zittern

40.200 Kinder jubelten, Rangnick schmunzelte, Ghana ging unter. Doch der 5:1-Freitag war Schaum – am Dienstag rollt der nächste Ball, und plötzlich droht Konkurrenz aus der Reha-Abteilung.

Die wm-uhr tickt, der kader quillt über

Österreich blitzt drei Monate vor der Endrunde in Nordamerika schon einmal auf, aber der Teamchef wischt die Tafel sofort wieder sauber. David Alaba, Xaver Schlager, Konrad Laimer – allesamt noch nicht einmal auf der Bank gegen Ghana. „Die müssen sich anstrengen, überhaupt wieder reinzukommen“, sagt Rangnick und meint es halb im Spaß, halb als Drohkulisse. Laimers Knie reagierte nach dem Training, Schlager spürte ein Ziehen – bei zwei vordem gerissenen Kreuzbändern keine Nachricht, sondern ein Stachel.

Alaba bleibt gegen Südkorea außen vor. „Das wäre fahrlässig – für uns und für Real Madrid“, betont der 67-Jährige. Die Königlichen warten auf Champions-League-Feuer gegen den FC Bayern, Rangnick wartet auf seine Lebensversicherung in der Abwehr. Ein Risiko? „Dazu sind sie zu wichtig.“ Die Botschaft ist klar: Wer jetzt zaudert, fliegt hinten runter.

Seiwald trifft – und liefert sich ein selbstexperiment

Seiwald trifft – und liefert sich ein selbstexperiment

Mitten in dieses Machtgefüge platzt Nicolas Seiwald. Sein erstes Tor nach 45 Länderspielen war längst überfällig, doch der Leipzig-Sechser liefert Rangnick eine neue Variable. „Wenn er jetzt auch noch torgefährlich ist, haben wir noch mehr Freude“, sagt der Coach – und meint: eine weitere Kopf-Falle für die etablierten Mittelfeld-Abräumer.

30.000 Karten sind bereits für Dienstag weg, 10.200 weniger als gegen Ghana. Aber die Kinder kommen wieder, verspricht Rangnick. Er will dieselbe „kindliche Spielfreude“ sehen, dieselbe Welle zwischen Rasen und Rängen. Die Spieler sollen tanzen, nicht rechnen.

Die Rechnung steht trotzdem: 5:1 war ein Abgesang auf die vermeintliche Stammelf. Wer zurückkommt, muss sich neu erfinden. Und wer glaubt, schon sicher zu sein, hat den Fehlstart bereits hinter sich. Rangnick lächelt noch, aber seine Stimme kratzt schon leicht: „Wir werden das nicht überbewerten.“ Er meint: Wir werden das verschärfen. Die WM beginnt jetzt – auf der Therapiebank.