Raketenalarm bricht basketball-talent-turnier ab – deutscher youngster dusan ilic sitzt in abu dhabi fest

Die Sportschau im Nahen Osten wird zur Schau der Realität. Während Raketen über Abu Dhabi zischen, sitzt Dusan Ilic in der Tiefgarage und wartet auf Real Madrid – doch das Spiel findet nie statt. Der 17-jährige Shooting Guard von Dragons Rhöndorf hatte seine Koffer gepackt, Trikot frisch, Schuhe gebunden. Dann kam der Alarm.

„Wir standen unten in der Lobby, bereit zum Losfahren“, erzählt Ilic im Podcast Dyn Timeout. Sekunden später rennt ein Teamkollege durch die Rezeption: „Raketenangriff, runter in die Garage!“ Das prestigeträchtige U18-Turnier ANGE, eigentlich ein Schaufenster für Europas größte Talente, endet abrupt im Bunker.

Der dritte tag, der alles stoppte

Erst unterbricht ein iranischer Drohnenangriff die Partie AS Monaco gegen Ares Thessaloniki, dann wird der komplette Luftraum gesperrt. Die Organisation versucht es mit Verlegung, doch die nächste Salve trifft erneit die Region. Ergebnis: Turnier abgesagt, 200 Spieler und Betreuer eingekesselt. Die nächsten regulären Flüge stehen erst für den 5. März auf dem Plan – ein Datum, das angesichts der Eskalation eher Wunschdenken bleibt.

Ilic ist nicht allein. Seine Eltern sind mitgereist, das Trio haust inmitten von Abu Dhabi in einem leer gefegten Apartmentkomplex. „Auf den Straßen sieht man kaum Menschen, Läden haben dicht“, berichtet er. Trotzdem betont er: „Ich fühle mich sicher.“ Die Ruhe vor dem Sturm? Oder nur die Stille eines Geisterstadt-Quartiers, das weiß, dass die nächste Warnung jederzeit kommen kann?

Euroleague versucht krisen-evacuation

Euroleague versucht krisen-evacuation

Hinter den Kulissen arbeitet die EuroLeague an einer Sondercharter-Lösung, um die Teams nach Hause zu bringen. Doch selbst die mächtige Liga steht vor einer logistischen Niederlage: Keine Airline riskiert Start und Landung, wenn die Luftabwehr jeden Moment einschreiten muss. Die Spieler quatschen über Fortnite, teilen Snaps, schicken Nachrichten nach Hause – und warten. Stunden werden zu Tagen.

Für Ilic ist der Zwischenstopp mehr als nur ein Abstecher. Der Bonner Nachwuchs hofft auf ein Stipendium in den USA, ein starkes ANGE-Turnier hätte seine Visitenkarte sein können. Stattdessen wird seine momentan wichtigste Statistik die Anzahl der verstrichenen Stunden ohne Training. „Wir versuchen, im Hotel-Fitnessraum fit zu bleiben, aber das ist kein Ersatz für Feldarbeit“, sagt er. Coach-Feedback? Gibt’s per Zoom. Körperliche Frische? Verpufft zwischen Sofasitzungen und Nachrichten-Apps.

Die Basketball-Welt diskutiert längst über politische Neutralität im Sport. Die Antwort liefert diese Woche Abu Dhabi mit jedem stillgelegten Court: Solange Bomben fallen, bleiben die Körbe leer. Und so sehr die Talente auch von Crossover-Träumen träumen – der Nahe Osten erinnert sie schon früh daran, dass der nächste Schritt nicht der zur Basket-Highschool sein muss, sondern der in den Bunker. Für Dusan Ilic bleibt nur eins: abwarten, durchatmen, hoffen – und wenn der Himmel wieder frei ist, den Ball weiterschnellen lassen.