Raketen und kreuzfahrer verschlingen mehr energie als jeder laster
Ein einziger Start von SpaceX Starship Super Heavy frisst 4.5 Milliarden Kilojoule – das entspricht der Jahresleistung eines 150-PS-Diesels, der 37 000 Kilometer lang Vollgas gibt. Autos und Lastwagen sind dagegen Sparwügel.
Die wahren energiewampen tragen keine nummernschilder
Die italienische Fachredaktion Gazzetta Motori hat die Schlechtestenlisten neu aufgelegt. Ergebnis: Straßenfahrzeuge landen nicht einmal in den Top 20. Stattdessen dominieren Trägerraketen, Frachtkolosse und Militärmastodonten das Ranking, gemessen in Kilojoule je bewegten Kilometer.
Die Spitzenreiter sind keine Überraschung – Raketen. Saturn V verbrannte 5.6 Milliarden kJ, bevor die dritte Stufe die Erdumlaufbahn erreichte. Die neue Starship-Kombination übertrifft das noch, weil 33 Triebwerke gleichzeitig Methan-Sauerstoff-Mix in Rekordzeit verdampfen. Die Rechnung: 4,5 GJ geteilt durch 112 km Höhe = 40 Millionen kJ pro gefahrenem Kilometer. Kein Lastwagen, nicht einmal der sperrigste Bergbaudumper, kommt auf einen Tausendstel dieses Werts.
Doch es gibt auch Langstreckenläufer. Die Seawise Giant, einst längstes Schiff der Welt, schluckte beim Vollastbetrieb rund 618 kJ pro Tonne-Kilometer – dreimal mehr als ein modernes Auto, das aber nur 1,5 statt 564 763 Tonnen verdrängt. Die Admiral Kusnezow, Russlands einziger Flugzeugträger, verfeuert bei 18 Knoten 3 000 Liter Heizöl pro Stunde; das entspricht 130 kJ pro Meter, was einen VW Golf für 600 Kilometer Reichweite liefern würde.
Selbst im Vergleich zur Alltagsmaschine Antonov An-225, früher größte Frachtmaschine des Planeten, wirkt ein Panzer sparsam. Der M1 Abrams braucht 4,1 Liter pro Kilometer – allerdings auf Ketten und mit 63 Tonnen Gewicht. Die An-225 verbrauchte beim Start mit 640 Tonnen Startmasse 300 Tonnen Kerosin, bevor sie überhaupt die erste Wegstrecke von einem Kilometer hinter sich hatte.
Die Botschaft ist klar: Wer Energie sparen will, muss nicht unbedingt aufs Rad umsteigen. Wer die Welt bewegt – ob Satelliten, Rohöl oder Urlauber –, zahlt einen Preis, der in einer ganz anderen Liga spielt. Die Zahlen sind vernichtend, aber sie rechtfertigen sich durch den Auftrag: ohne diese Kolosse gäbe kein GPS, keine Kreuzfahrt, keine Kerosin-Flaschenpost. Wer also beim nächsten Raketenstart jubelt, sollte wissen, dass dahinter ein Energievorstoß steckt, der jeden Sportwagen zur Kuriosität degradiert.
