Rahmen glaubt trotz 16 punkten an die wende: «diese drei spiele zeigen, wer wir wirklich sind»

Winterthur – 16 Zähler, Platz 11, acht Spiele ohne Sieg. Die Tabelle lügt nicht, aber Patrick Rahmen will sie nicht sehen. Nach dem 1:1 in Sion schwor der Trainer der FC Winterthur im SRF-Interview auf die «Aufwärtstendenz der letzten drei Partien» – und auf die Rückkehr von Loïc Lüthi, der in der ersten Halbzeit die zuletzt wackelige Abwehr stabilisierte wie ein Betonpfeiler mitten im Sturm.

Die Zahlen sind gnadenlos: 29 Spiele, 16 Punkte, ein Torverhältnis von 21:58. Doch Rahmen zieht seine eigene Bilanz. «Wir haben in den vergangenen 270 Minuten mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse und mehr Zweikampfprozente als in den ersten neun Runden zusammen», sagt er, während er mit den Fingern auf die Taktik-Boards klopft, die im Mixed Zone an der Wand lehnen. Die Mannschaft habe «ein neues Gesicht» gezeigt – und das nicht nur, weil sie endlich wieder mit kompletter Defensive antreten konnte.

Der innenverteidiger, der die eulen wieder fliegen lässt

Loïc Lüthi fehlte fünf Monate – Syndesmoseband, Re-Operation, Frust. Gegen Sion stand er 90 Minuten auf dem Rasen, gewann 72 % seiner Zweikämpfe und blockte zwei Schüsse, bevor sie Richtung Tor abglichen. «Er redet viel, er schreit, er sortiert», sagt Rahmen. «Genau das haben wir vermisst: eine Stimme, die das Chaos in Ordnung bringt.» Die Statistik bestätigt es: Mit Lüthi kassierte Winterthur in dieser Saison 1,4 Gegentore pro Spiel – ohne ihn 2,9.

Doch die zweite Hälfte brachte alles wieder ans Licht, was die Saison so brutal macht. Sion drehte auf, Winsley Boteli köpfte zum 1:1-Ausgleich ein, und plötzlich war die alte Verunsicherung zurück. Rahmen stemmte die Hände in die Hüften, schrie Anweisungen, sah aber auch, wie Luca Zuffi in der 89. Minute die große Chance liegen ließ – pariert von Anthony Racioppi, der mit dem linken Fuß reflexartig den Ball aus dem Winkel kratzte. «Ein Weltklasse-Torhüter», sagt Rahmen nach dem Abpfiff, «aber wir haben ihn zum Helden gemacht, weil wir den freien Mann nicht sauber stellen.»

Der thuner express rollt – und winterthur steht am gleis

Der thuner express rollt – und winterthur steht am gleis

Während die Berner sich mit 23 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz davon schieben, bleibt Winterthur auf Gleis 1 stehen und schaut auf den Zug der Konkurrenz. Die nächsten Gegner: YB auswärts, St. Gallen daheim, dann Basel. «Wenn wir dort nur einen Punkt holen, reicht das nicht», sagt Rahmen ruhig, fast sachlich. «Aber wenn wir dort sechs Punkte holen, sind wir wieder im Gespräch.» Er lächelt – ein Lächeln, das mehr Selbstvertrauen als Selbsttäuschung ist.

Die Spieler duschen längst, aber Rahmen bleibt noch eine Viertelstunde im leeren Stadion, schaut auf das leere Spielfeld, auf dem die Schatten der Tribünen lang werden. «Wir haben nichts mehr zu verlieren», sagt er. «Und das macht uns gefährlich.» Dann dreht er sich um und geht Richtung Bus, der schon wartet. Die Tabelle wird nicht schöner, aber die Story kann sich noch ändern – wenn Lüthi gesund bleibt, wenn Racioppi nicht jeden Freistoß pariert, wenn der Ball endlich mal wieder über die Linie kullert. Die Saison ist nicht gerettet. Aber sie ist auch noch nicht zu Ende.