Raab riskiert die hand, union erträgt 14 minuten nachschlag und sticht freiburg nieder

14 Minuten Nachspielzeit, ein Torwart mit gebrochener Hand und ein Sieg beim bislang ungeschlagenen Heimstenner – für Union Berlin war der 1:0 in Freiburg kein gewöhnlicher Dreier, sondern ein kleines Fußball-Märchen, geschrieben vom Ersatzmann im Tor.

Matheo Raab stand gestern Abend im Alten Försterwald plötzlich im Mittelpunkt, obwohl er eigentlich nur die Lücke für den verletzten Frederik Rönnow stopfen sollte. Am Ende stopfte er erst einen Freiburger Kopfball, dann seine eigene Hand in den Schädel von Bruno Ogbus und schließlich die Bayern-Hoffnungen, die am Samstag im Olympiastadion auf ihn warten.

Die rechnung ohne die nachspielzeit gemacht

Bis zur 91. Minute war das Spiel eine Betonmauer mit Berliner Logo. Union presste früh, ließ sich dann aber weit hinten ein, spielte den Ball nach vorn und schaute zu, wie die Freiburger sich selbst blockierten. Dass es dabei blieb, war nicht nur Baumgarts Plan, sondern auch seine Not. Mit Leopold Querfeld gesperrt, Diogo Leite verletzt und Rönnow außer Gefecht, stellte der Trainer auf eine Viererkette um, die zuletzt beim 0:6 in Dortmund auseinander gefallen war.

Die Umstellung funktionierte diesmal. Jannik Haberer lief nicht als Notlösung rechts, sondern als Chef in der Zentrale, Tim Skarke arbeitete rechts wie ein Sechser mit Flügelbahn und nur Livan Burcu, 21 Jahre und dritte Ligapremiere, wirkte kurz überfordert, als Freiburgs Mittelfeld in Wellen anrollte. Die Gäste blieben harmlos, weil Union die Räume eng machte und weil Raab jeden Querschläger auffing, als hätte er sich die Flugbahn vorher aufgezeichnet.

Die szene, die alles veränderte

Die szene, die alles veränderte

Die Partie schien auf 0:0 zuzusteuern, als Schiedsrichter Christian Dingert wegen eines Schädel-Kontakts zwischen Raab und Ogbus die Uhr weiterlaufen ließ – und die Uhr wurde zum Gegner der Breisgauer. In der 8. Minute der Nachspielzeit warf Woo-Yeong Jeong sich in den Strafraum, traf zur Führung und traf damit auch Freiburgs 16-heimspiel-lange Unbesiegt-Serie ins Herz.

Raab selbst zog sich beim Zusammenprall eine Handverletzung zu, die ihn mit dickem Verband und Tränengas-Blick zurück auf das Feld schickte. Drei Minuten später parierte er den Schlenzer von Niklas Beste mit eben jener Hand – und Union hatte plötzlich zwei Punkte Vorsprung auf den Strich.

München ruft – und ein kindheitstraum bleibt fraglich

München ruft – und ein kindheitstraum bleibt fraglich

„Es sieht nicht gut aus“, sagte Raab nach der Partie über seine Hand. Die Diagnose dürfte heute folgen, die Prognose für Samstag ist klar: FC Bayern, 15.30 Uhr, Olympia-Stadion, ein Ort, an dem Union noch nie gewann. Vielleicht fehlt Raab, vielleicht muss Tom Rothe (1,92 m) wieder als Not-Torhüter herhalten, vielleicht reicht es trotzdem.

Denn wer in Freiburg die 14 Minuten Nachspielzeit übersteht, wer eine verletzte Hand riskiert und trotzdem den Ball wegfaustet, der traut sich auch in München etwas zu. Die Reise, die Raab als Kindheitstraum bezeichnete, geht weiter – vielleicht ohne ihn, aber wegen ihm.