Prosieben schickt heinevetter und schmidt-sommerfeld ins handball-duell
Silvio Heinevetter hört nicht auf. Der Olympia-Dritte von Rio steht zwar noch im Tor von Eisenach, aber ab Donnerstag fliegt auch sein Name durch die Wohnzimmer. ProSieben holt den 41-Jährigen als Experten ins erste Live-Spiel des neuen Handball-Rechtepakets – und setzt damit einen Konter auf ARD und ZDF, die die Heim-WM 2027 ausgerechnet an den Pay-TV-Sender abtreten mussten.
Warum die öffentlich-rechtlichen sender plötzlich zappen
Die Antwort steht in der Gunst der jungen Zuschauer. Florian Schmidt-Sommerfeld, genannt „Schmiso“, bringt genau das mit, was traditionelle Sportberichterstattung vermissen lässt: Tempo, TikTok-Sprache, NFL-Erfahrung. Seit elf Jahren schlüpft er für ProSiebenSat.1 in Mikro und Kopfhörer, nun darf er 60 Länderspiele der DHB-Auswahl begleiten – allein 34 Partien der Männer, 26 der Frauen. Die Quote entscheidet, ob die Rechte danach teurer werden. Ein Teufelskreis, der den öffentlich-rechtlichen Programmchefs kalte Schweißperlen auf die Stirn treibt.
Heinevetter liefert das Fachwissen, Schmidt-Sommerfeld den Drive. Gemeinsam testen sie das neue Duo am Donnerstag gegen Ägypten in Dortmund, drei Tage später in Bremen. Andrea Kaiser moderiert, Christoph „Icke“ Dommisch liefert Stimmen aus dem Mixed-Zone-Dschungel. Ein Aufgebot, das sich selbst als „Task-Force“ versteht – und das erste Mal seit Jahren wieder einen gemeinsamen Sendeplatz für Handball außerhalb von Eurosport oder Dyn schafft.

Der preis der nicht-übertragung
Die ARD kaufte sich frei. Weil der DHB die Kasse fürs Nachwuchsprogramm füllen muss, ging das Paket an den Höchstbietenden. Der Sieg von ProSiebenSat.1 kostete die Fans aber den kostenlosen Zugang. Sky und Dyn halten die Rechte an der Bundesliga, ProSieben sichert sich das Nationalteam – ein Klebeband aus Exklusivität und Abo-Falle. Für Heinevetter ist das kein Dilemma. „Ich will Handball sichtbar machen, egal auf welchem Kanal“, sagt er. 206 Länderspiele hat er selbst bestritten, zweimal war er Weltmeister, einmal Olympiamedaillengewinner. Wenn er spricht, hören selbst Profis zu.
Die Quote vom Wochenende wird zeigen, ob die Strategie aufgeht. Schmidt-Sommerfeld kennt die Zahlen aus dem NFL-Business: Wenn die Einschaltquote bricht, fliegt das Format. Handball ist in Deutschland kein Massensport, aber ein Gemeinschaftserlebnis. Die Frage lautet nicht, ob das reicht, sondern: Wer zahlt das nächste Mal die Rechnung? Die Antwort steht am Sonntagabend nach dem Abpfiff in Bremen. Dann wissen wir, ob ProSieben den Handball neu erfindet – oder nur teurer verpackt.
