Verl fegt schweinfurt hinweg und platzt wieder in die aufstiegszone
4:0, Platz drei, 14 plus 14 – die Zahlen sind lauter, als das Getöse im Stadion an der Poststraße. Der SC Verl hat das Schlusslicht Schweinfurt am Freitagabend zerlegt, Berkan Taz zwei Mal. Die Konkurrenz sollte jetzt besser die Wetter-App checken: Aufsteigendes Temperaturgefühl in Ostwestfalen.
Strobl schwärmt vom „traumtänzer“ taz
Trainer Tobias Strobl spricht nach Abpfiff mit rauer Stimme, als hätte er selbst 90 Minuten lang Gegenpressing gespielt. „Wenn ich ehrlich bin, beneide ich ihn“, sagt er über seinen Offensivspieler. „Nicht wegen der Tore, sondern wegen seiner Geduld.“ Jeden Tag bleibt Taz 20 Minuten länger auf dem Rasen, schießt Bälle in die Ecke, bis das Netz zittert. 14 Treffer, 14 Vorlagen – das ist keine Statistik, das ist ein Lebensentwurf.
Die 3:0-Vorentscheidung fällt bereits in der 41. Minute. Taz dreht sich nach einer Flanke von links, berührt den Ball mit dem Innenfuß, als wäre es ein Handschlag. Schweinfurts Keeper Tobias Schröder berührt Luft. Der zweite Treffer kurz vor dem Pausenpfiff wirkt wie ein Buchstabe unterstrichen. Danach ist Ruhe, weil Ruhe herrschen muss.

Eze trifft und durchbricht den eigenen knoten
Joshua Eze schnürt das 4:0 in der 52. Minute – seinen ersten Drittligatreffer. Für den 22-Jährigen ist das mehr als ein Tor; es ist ein Befreiungsschlag nach Rot im Debüt, nach Bank, nach Selbstzweifel. Er jagt den Ball aus 16 Metern in den Winkel, rennt danach zum eigenen Fanblock, reißt die Arme hoch, als wolle er sich selbst einfangen. „Er ist mittlerweile unser Pulsmesser“, sagt Strobl. Zweikampfquote 71 % – nicht gemessen, sondern gefühlt.
Die Tabelle lügt nie, aber sie schwindelt gern. Verl springt auf Rang drei, nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Duisburg. Drei Siege hintereinander wären am Samstag in Saarbrücken Programm – und gleichzeitig Vorsichtsmaßnahme, denn der 1. FC Saarbrücken wartet als verärgerte Riesenfaust auf Platz 16.
Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt
