Prass' jubel löst heidenheimer wut aus – der traurige grund dahinter

Der Jubel war echt, die Wut darauf auch. Alexander Prass trifft für Hoffenheim, reißt das Trikot von Ihlas Bebou hoch – und 4000 Heidenheimer brüllen ihm Hass entgegen. Was sie nicht wissen: Hinter dem vermeintlichen Provokationsgeste steht eine Tragödie.

Bebous frau verlor das gemeinsame kind – das team trauert mit

Amira Bebou hatte am Freitag die Nachricht auf Instagram gesetzt, die jeden Vater auf der Welt zerreißt: „Mein geliebter Sohn, acht Monate habe ich dich unter meinem Herzen getragen … und doch bist du still auf die Welt gekommen.“ Das Kind war im achten Monat, alles schien in Ordnung, dann kam die Fehlgeburt. Die Mannschaft erfuhr es am Vorabend des Spiels. Julian Nagelsmann sprach fünf Minuten mit der Mannschaft, dann beschlossen sie: Wir spielen für ihn. Wir zeigen ihm: Du bist nicht allein.

Prass, sonst eher der lautlose Arbeiter im Mittelfeld, erzielt die Führung, rennt zur Gästeblock-Kurve, zögert keine Sekunde. Er zieht Bebous Trikot aus dem Hosenbund, hält es hoch, deutet auf den Namen. Die Heidenheimer verstehen es als Affront. Einige werfen Bierbecher, andere skandieren „Hurensöhne“. Prass hört es, bleibt stehen, schreicht zurück: „Keine Provokation!“ Aber in dem Lärm verpufft die Botschaft.

Nach Abpfiff sucht er das Mikro von Sky. Die Stimme zittert, die Sätze sind kurz. „Es passieren oft Dinge im Leben, die sind wichtiger als Fußball“, sagt er. Dann verschwindet er in die Kabine. Dort umarmt ihn Bebou, der wegen muskulärer Probleme nicht mitgereist war. Die beiden kennen sich seit der U-19-Nationalmannschaft. „Ich weiß, dass er jeden Tag mit mir tauschen würde, wenn er könnte“, sagt Prass später im Mixed-Zone-Gewusel. „Aber er wollte, dass wir spielen. Also haben wir gespielt – und für ihn getroffen.“

Die liga schweigt, die fans diskutieren

Die liga schweigt, die fans diskutieren

Die DFL verbreitet keine offizielle Stellungnahme. Auf Anfrage heißt es, man prüfe „ob eine Sensibilisierung der Fanlager nötig sei“. Doch in den sozialen Netzwerken kocht die Debatte. Eine Seite: „Respektlos, das Trikot wie eine Trophäe zu präsentieren.“ Die andere: „Wenn man nicht mal mehr trauern darf, ohne als Provokateur zu gelten, ist die Welt verloren.“ Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 1,4 Millionen Abrufe des Bebou-Posts binnen zwölf Stunden, 67.000 Kommentare, 89 Prozent davon herzlich.

Für Hoffenheim ist der Sieg ein Nebenschauplatz. Die Mannschaft steigt auf Platz fünf, doch in der Kabine liegt noch immer Stille. „Wir haben gewonnen, aber keiner feiert“, berichtet Torhüter Baumann. „Wir haben nur unseren Job gemacht. Und unserem Kumpel die Hand gereicht.“

Am Freitag empfängt Hoffenheim den VfB Stuttgart. Bebou wird wohl wieder auflaufen. Dann wird sein Name durchs Stadion hallen – diesmal nicht aus Wut, sondern aus Solidarität. Und Prass? Der steht bereit, um ihn zu umarmen. Kein Trikot in der Hand, nur Freundschaft im Herzen.