Köln kocht im keller, dortmund nimmt davon ausgiebig gebrauch
Der 1. FC Köln schwimmt. Nicht auf einer Welle, sondern im freien Fall. Borussia Dortmund schob den Aufsteiger am Sonntagabend mit dem Stiefel auf Platz 17 – und profitierte selbst.
Kovac' mannschaft schlägt zurück, nachdem atalanta und bayern sie blutig geschlagen hatten
Die Zahlen sind hart: fünf Spiele ohne Sieg, drei Punkte bis zur Relegation, elf Gegentore in den letzten vier Partien. Doch die wirklich bittere Nachricht kommt aus der Kabine. Lukas Kwasniok sprach vor Anpfiff noch vom „Qualitätsplänen“, doch was seine Spieler ablieferten, war ein Befreiungsschlag ohne Plan. Bereits nach 60 Sekunden musste Gregor Kobel eingreifen, nach fünf stand er erneut im Mittelpunkt. Dazwischen: nichts. Keine Kontrolle, kein Durchbruch, keine Idee.
Dann die Szene, die alles entschied: Jahmai Simpson-Pusey stieg Maximilian Beier von hinten in die Achillessehne – Rot. Kurz vor der Pause, kurz vor der Entscheidung. Denn Dortmund hatte in der 16. Minute bereits zugeschlagen. Serhou Guirassy grätschte eine Ecke aus fünf Metern ins Netz, sein achtes Auswärtstor der Saison. Die Schwarz-Gelben hatten den Faden verloren, fanden ihn wieder – dank Standards und dank Köln.
Beiers Treffer nach der Pause war die logische Konsequenz aus personeller Überlegenheit und individueller Klasse. Der Nationalspieler nahm einen abgewehrten Ball volley, Schwäbe war chancenlos. Der Treffer bedeutete die Vorentscheidung, auch wenn Jakub Kaminski in der 88. Minute noch einmal für Herzklopfen sorgte. Es reichte nicht für Köln, es reichte mehr als deutlich für Dortmund.

Köln steht vor zwei endspielen – und der trainer steht am pranger
Die Tabelle lügt nicht. Nach 25 Spieltagen hat der Aufsteiger 19 Punkte auf dem Konto, das Mittelfeld ist sieben Zähler entfernt. Die nächsten Gegner: HSV am 14. März, Gladbach am 21. März. Beide direkte Konkurrenten, beide mit mehr Tempo und Ideen. „Wir sind zu gut für die Zweite Liga“, sagte Kwasniok – eine Behauptung, die sich angesichts der letzten Wochen wie blanker Hohn anhört.
Für Dortmund hingegen bedeutet der Sieg Ruhe. Platz zwei ist nicht mehr bedroht, acht Punkte Vorsprung auf Rang fünf. Kovac’ Warnung vor dem Spannungsabfall ist angekommen, zumindest für 90 Minuten. Die Frage bleibt, ob diese Einstellung auch in Leverkusen, Leipzig oder Berlin anhält. Denn die Saison ist noch lang, und der BVB hat sie schon zu oft verspielt.
Die Causa Köln dagegen ist ein Debakel mit Ansage. Wer sich in der Rückräge gegen Abstiegskandidaten durch Standards schießt, wer in Unterzahl kapituliert, wer die eigene Linie vermissen lässt, der muss unten landen. Der Abstiegsstrudel dreht sich, und Köln liegt mittendrin – bis zum Hals.
