Marchon und rathgeb feiern im derby: 750 gotteron-spiele, ein mal lebenswerk, ein mal comeback
Die Büsleute schmettern die Hymne schon, als die Lichter im BCF-Arena auf einmal die beiden Jubilare anstrahlen. Nathan Marchon lächelt verlegen, Yannick Rathgeb wedelt mit der Hand, als wollte er sagen: „Nur nicht zu laut.“ Dabei haben sie Grund, lauthals zu jubeln – 250 plus 503 National-League-Einsätze für den HC Fribourg-Gotteron, zusammen eine Viertelmillion Minuten Eiszeit, heute vielleicht der emotionalste Nebenschauplatz des Derbys gegen Lausanne.
Marchons odyssee ohne abflug
2009 stolperte ein 15-jähriger Walliser in den Nachwuchs der Drachen – und ging nie weg. Kein Transfer, kein Ausflug, kein Abstecher. 503 Partien später ist er der lebende Beweis, dass Treue kein Relikt aus Fernsehfilmen ist. „Ich habe nie das Gefühl gehabt, woanders besser aufgehoben zu sein“, sagt er nach dem 4:2-Sieg, das Kapo noch auf dem Kopf, die Schlittschuhe schon in der Hand. Die Liga hat inzwischen drei Lockouts, zwei Pandemie-Saisons und ein halbes Dutzend Trainerwechsel überlebt – Marchon blieb. Wer sonst schafft es, sein ganzes Erwachsenenleben in einem einzigen Dress zu verpacken?
Die Zahl 500 war eigentlich schon im Februar fällig, doch ein Fiss im Bein und das Auswärtsspiel in Zug verzögerten die Show. Jetzt, vor eigenem Publikum, bekommt der Linksverteidiger seine silberne Eisplatte – und einen Standing Ovation, der selbst die Lausanner Anhänger applaudieren lässt.

Rathgeds zweites frühlingserwachen
Yannick Rathgeb dagegen kennt die Schweiz wie einen Bahnhofsumsteiger. Biel, Toronto, Stockton, Biel wieder – und dann 2024 die Rückkehr nach Freiburg, wo er 2015 einst den Sprung in die NL wagte. 250 Spiele im Gotteron-Trikot, verteilt auf zwei Acts. „Das erste Mal war ich ein Talent, das sich beweisen wollte. Das zweite Mal bin ich ein Vater, der weiß, was er will“, erzählt er. Die Fans feiern ihn trotzdem wie einen Sohn, der endlich nach Hause gekommen ist.
Gegen Lausanne schießt er das 3:1, sein fünftes Tor seit der Rückkehr. Die Assist kommt ausgerechnet von Marchon – ein Pass, der 14 Jahre Clubgeschichte überbrückt. Auf der Tribune halten zwei Kinder ein Banner hoch: „750 gemeinsam – nie mehr weg!“

Derby-sieg als nebenschauplatz
Die Partie selbst? Ein Nachmittag, der gemächlich beginnt und dann in einen Schlagabtausch umschlägt. Gotteron führt 2:0, Lausanne kommt heran, doch Kessler vollendet seinen Hattrick, Manz haut den Puck aus dem Slot ins leere Tor. Am Ende steht ein 5:2, der erste Heimsieg nach drei Niederlagen. Die Tabellen sind erst November, aber die Seele des Clubs ist schon im Wintermodus: zwei Jungs, die ihre Geschichte selbst schreiben, und ein Stadion, das miterlebt, wie Zahlen zu Mythen werden.
Marchon steht noch lange nach Abpfiff vor der Nordtribüne, unterschriftet Trikots, knutscht mit seinem Sohn über die Bande. Rathgeb verschwindet früher in der Kabine, doch vorher winkt er noch einmal – diesmal nicht verlegen, sondern wie einer, der weiß: Manchmal muss man gehen, um zu verstehen, dass man schon lange daheim ist.
750 Spiele, zwei Lebenslaute, ein Derby. Und irgendwo zwischen Schlittschuhlärm und Jubelrufen schlägt ein Herz aus Eis und Vinyl – es trägt das Wappen der Freiburger Drachen.
