Pongracic rastet gegen camarda aus – jetzt zittert ganz kroatien

26 Spieler, neun Notfallpläne, ein Fragezeichen namens Marin Pongracic. Der Fiorentina-Verteidiger landet trotz seiner Gala gegen Francesco Camarda nicht auf dem sicheren Teil der kroatischen WM-Testlisten, sondern nur im „erweiterten Kader“. Das bedeutet: Er muss bis zum 23. März in Orlando zittern, ob Coach Zlatko Dalic seine Pre-Liste aktiviert.

Camarda-duell als lebensversicherung?

Die Bilder vom 2. November in der Artemio-Franchi-Arena gingen durch Europa: Pongracic wirbelte den 16-jährigen Lecce-Juwel Camarda mit einem Bodycheck aus dem Spielfeld, spielte danach aber auch die meisten Ballaktionen fehlerfrei aus. Genau diese Robustheit will Dalic im Sommer gegen Brasilien und Kolumbien – doch der Bundestrainer schickt statt einer Garantie erst mal eine Art Warnschuss.

Der 26-Jährige ist kein Unbekannter in der Nationalelf: 2021 debütierte er gegen Malta, danach folgte lange Funkstille. Sein Wechsel nach Florenz schien die Trendwende, doch ein Muskelfaserriss im Winter warf ihn zurück. Nun also die Halbnominierung: dabei, aber nicht wirklich. Der Kroate erfuhr die Einladung während der Nachbetrachtung eines Videoanalyse-Termins – per SMS, klassisch kroatischer DFB-Stil.

Nine lives – oder doch nur reserve?

Nine lives – oder doch nur reserve?

Die Konkurrenz im Zentrum ist brutaler denn je: Josko Gvardiol und Joško Šutalo haben Stammplätze zementiert, Duje Ćaleta-Car liefert in Southampton monotone 90-Minuten-Einheiten ab. Dazu kommt Kristijan Jakic, der bei Eintracht Frankfurt in der Europa League Top-Werte liefert. Pongracic’ Pluspunkt: Er bringt die italienische Geschmeidigkeit mit – Ballverteilung nach drei Kontakten, 62 Prozent gewonnene Zweikämpfe in dieser Saison.

Doch Dalic liebt Konstante. Wer in der Quali nicht durchgängig spielte, muss in der Testphase überzeugen. Für Pongracic heißt das: 180 Minuten in Orlando, um sich einen Flug in die USA im Sommer zu sichern. Sonst droht der nächste Sturz in die zweite Reihe – und vielleicht das Ende des Nationalteam-Traums vor dem eigentlichen WM-Jahr.

Die Zahlen sprechen für ihn, die Politik vielleicht dagegen. Der Coach will in den Testspielen keine Experimente riskieren, sondern „Kernstäbe festigen“, wie er nach der Pressekonferenz durchsickern ließ. Übersetzt: Wer jetzt nur auf der Sicherheitsliste steht, muss mit dem Einsatz von der Bank oder gar einer Reise nach Zagreb ohne Einsatzminuten rechnen.

Fazit: Pongracic hat sich mit seinem Camarda-Tackle ins Gedächtnis gespielt, doch Erinnerungen verblassen schnell im Tempo der modernen Fußball-Landschaft. In elf Tagen in Orlando entscheidet sich, ob der Verteidiger endgültig zur WM-Crew zählt – oder wieder einmal nur die Koffer packt, um zuzuschauen. Sein Körper ist bereit, sein Name aber noch längst nicht auf der Gästeliste.