Tedesco rast aus, fener dreht in wilder nachspielzeit auf

Domenico Tedesco zittert, jubelt, flucht – und fliegt. Fenerbahce dreht ein Spiel, das schon verloren schien, in sieben Minuten Nachspielzeit und katapultiert sich damit zurück in den Titelkampf. Der deutsche Coach kassiert dafür Gelb-Rot, weil er sich nach dem 3:2-Siegtreffer gegen Schiedsrichter Cihan Aydın austobt.

Was vor 71 000 im Şükrü-Saracoğlu-Stadion passiert, grenzt an Fußball-Folter. Samsunspor führt bis zur 90. Minute mit 2:1, Thorsten Fink stemmt sich auf der Gegenseite die Schleusenleine, sein Team steht kompakt. Dann platzt der Knoten. Dorgeles Nene trifft per Kopf zum Ausgleich, Sidiki Cherif – erst 19, erst seit Januar in der Profi-rotation – erzielt in der fünften Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer nach Ecke. Das Stadion bebt, die Bank rast, Tedesco rennt los.

Tedesco flippt komplett aus

Der Coach hatte sich zuvor wegen der langen Nachspielzeit beschwert, kassierte Gelb. Nach Cherifs Tor sprintet er auf den vierten Offiziellen zu, schreit ins Kamerageheul hinein. Gelb-Rot. „Ich hab nur gefragt, warum wir ständig die gelben Karten kriegen“, sagt er später bei Bein Sports, die Stimme heiser. „Heute war ich aufgebracht. Es ist unglaublich.“

Die Zahlen untermauern seine Wut: Fenerbahce kassierte in dieser Saison bereits 76 Gelbe Karten – Rekwert in der Süper Lig. Auch Mattéo Guendouzi, Antoine Makoumbou und Ersatztorhüter Okan Kocuk fliegen mit Gelb vom Feld. Der Klub droht nun, im Spitzenspiel gegen Galatasaray auf Tedesco zu verzichten.

Cherif wird zum volkshelden

Cherif wird zum volkshelden

Der Sieg rückt Fener auf zwei Punkte Richtung Spitze. Galatasaray führt mit 62 Zählern, Fener folgt mit 58 – bei einem Spiel weniger. „Wir glauben weiter“, sagt Tedesco. „Wenn man in Rückstand liegt, muss man an sich glauben. Das haben wir heute bewiesen.“ Für Cherif ist es der erste Ligatreffer überhaupt. Der Sturmjuwel kam 2023 aus der eigenen U19, spielte bislang nur Kurzeinsätze. Jetzt trägt ihn die Süper Lig auf Händen.

Samsunspor bleibt Siebter, Fink muss die Pleite verdauen. „Wir haben alles richtig gemacht, bis auf die letzten fünf Minuten“, sagt er. „Dann war der Kopf weg.“

Für Tedesco geht es am Sonntag nach Kayseri. Ob er auf der Bank sitzt, entscheid das Disziplinargericht. Die Fans jedenfalls sind bereit, ihn auch von der Tribüne zu feiern – solange seine Mannschaft weiter so dreht.