Soldat mit italienischer flagge filmt geheim bosnisches training – skandal vor wm-duell

Ein italienischer Soldat hat mit seinem Handy das geschlossene Training der bosnischen Nationalmannschaft gefilmt – nur 24 Stunden vor dem WM-Playoff-Kracher in Zenica. Die Sicherheitskräfte eilten, der Verband legte Beschwerde ein, Rom dementiert. Die Szene dauerte Sekunden, die Wirkung könnte den Rest der Saison überdauern.

Die 15 minuten, die alles auslösten

Offiziell war das Training in Butmir bis 18.15 Uhr öffentlich. Danach mussten Presse und Fans das Gelände verlassen. Unter ihnen: ein Mann in Bermudashorts und Militärjacke, auf der Schulter das italienische Abzeichen. Er schob sich Richtung Ausgang, drehte sich noch einmal um, hob das Smartphone – und filmte weiter. Die Kameras der Sicherheitsleute fingen ihn ein, die Funkgeräte knisterten, die Eskorte sprintete. »Verdacht auf Spionage«, notierte die bosnische Delegation in der sofortigen Meldung an EUFOR.

Innerhalb von fünf Minuten war der Mann abgeführt, innerhalb von zehn lag die Beschwerde vor. Was wie eine Episode aus einem schlechten Agentenfilm klingt, ist für Bosnien-Herzegowina potenziell der Unterschied zwischen Katar und Katastrophe. Denn wer heute Abend in Zenica verliert, schaut im Sommer wieder nach Hause – und Italien würde zum dritten Mal nacheinander eine WM verpassen.

Rom kontert: »nur ein spaziergang«

Rom kontert: »nur ein spaziergang«

Italiens Verteidigung kommt ohne Gegenangriff aus. Das Verteidigungsministerium in Rom spricht von einem »passierten Soldaten«, der sich in der Nähe der Militärbasis Butmir aufgehalten habe. Er habe »keine Absicht zur Spionage« gehabt, sei einfach spazieren gewandert und habe dabei ein paar Schnappschüsse gemacht. Die Tatsache, dass das Trainingsgelände extra für Medien und Zuschauer gesperrt wurde, erwähnt das Statement nicht.

Die FIFA schaltete sich noch in derselben Nacht ein. Ermittler prüfen, ob die Aufnahmen bereits nach Italien durchgestochen wurden und ob Trainer Roberto Mancini tatsächlich taktische Details über Gegner wie Edin Džeko oder Miralem Pjanić erhalten könnte. Bisher liegt kein Beweis vor, aber die Stimmung ist vergiftet. In Sarajevo kursieren Memes, die den Soldaten als modernen Trojanschen Pferen darstellen – mit einem Handy statt eines Holzpferdes.

Die wette: prestige gegen pure emotion

Die wette: prestige gegen pure emotion

Für Italien geht es um die Rehabilitierung nach dem blamablen WM-Aus 2018. Für Bosnien um die erste Endrundenteilung als unabhängige Nation seit 2014. Die Quoten sind den Buchmachern zufolge nahezu ausgeglichen, doch die Psycho-Nummer läuft bereits auf Hochtouren. Die Fans in Zenica haben ihre Choreografie fertig: eine riesige Kamera mit durchgestrichenem Objektiv. »No Spy Zone« steht darunter.

Ob der Soldat jemals vor Gericht landet, ist offen. EUFOR hat die Ermittlungen übernommen, das Handy wurde sichergestellt. Die italienische Botschaft in Sarajevo verweigert jeden Kommentar. Doch selbst wenn die Anklage platzt: Der Schaden ist angerichtet. Wer Spionage-Vorwürfe im Fußball erlebt, erinnert sich an Frankreichs Teamchef Domenech 2010, an den Drohnen-Eklat in der Premier League, an den Ausschreitungen in Belgrad. Die Liste ist lang, die Wunden tief.

Heute Abend um 20.45 Uhr pfeift der belgische Schiedsrichter Lawrence Visser an. Dann zählen keine Erklärungen mehr, nur Tore. Aber die 90 Minuten in Zenica sind längst mehr als Sport. Sie sind ein Schlagabtausch zwischen zwei Nationen, deren Beziehung sich über Jahrzehnte durch Kriege, Flüchtlingsströme und diplomatische Spitzfindigkeiten zog. Ein einzelnes Handy-Video reichte, um die alten Risse wieder aufzureißen. Die Antwort gibt es auf dem Rasen – und die wird so schnell keiner vergessen.