Italiener filmt geheimes bosnien-training – soldat verwickelt azzurri in spionage-eklat

Knapp 24 Stunden vor dem Playoff-Kracher in Zenica steht Italiens Nationalteam plötzlich unter Beschuss. Ein Italiener in Tarnuniform hatte sich am Mittwochabend auf dem Trainingsgelände der Bosnier geschlichen, Dzeko & Co. gefilmt – und die Stimmung in den sozialen Netzwerken binnen Minuten zum Kochen gebracht.

Der mann mit dem smartphone

Security-Leute erwischten den Eindringling, als er nach Ende der öffentlichen 15 Minuten weiterdrehte. Ausweis zückte er nicht, Sprachkenntnisse: null. Erst auf dem Revier wurde klar: kein Journalist, kein Fan, sondern Soldat der EUFOR-Mission „Althea“, seit Monaten in Sarajevo stationiert. Passiert war ihm der Base-Camp-Trupp, weil das Stadion Butmir direkt am Flugplatz der italienischen Kontingente liegt.

Die bosnische Fußball-Föderation schaltete sofort hoch: formeller Protest an UEFA und italienischen Verband, Headlines über „Spia azzurra“. Dabei schickt kein Verband seine Leute mit Flecktarn ins Gelände – schon gar nicht, wenn der Trainer die Gegner seit Wochen via Wyscout und Live-Scouting durchdekliniert hat. Die Logik des Vorwurfs: ein Offizier gleich ein Offizieller? Eine Miliz-Paranoia, die nur funktioniert, weil die Playoffs ohnehin auf Messers Schneide stehen.

Was der film wirklich zeigt

Was der film wirklich zeigt

Laut FIFA-Regelwerk darf ein Team bis zu 15 Minuten vor Spielbeginn ein geschlossenes Training abhalten – danach Presse und Kameras raus. Das Video des Soldaten läuft länger. Doch die Clips enthalten keine taktischen Neuheiten: Dzeko presst in Reihe drei, Pjaniic schlägt Diagonalbälle auf links – Standardsituationen, die jedem Analysten seit der Nations-League-Gruppe bekannt sind. Der militärische „Geheimdienst“ liefert also Material, das es auf YouTube schon in 4K gibt.

Dennoch: das Narrativ passt ins Bild. Bosnien hatte schon gegen Wales Halbfinale desselben Tonfalls gepflegt und den Bröndby-Trainer beschuldigt, Spieler zu schonen, um Italien zu schwächen. Die Serie von Schuldzuweisungen zieht sich durch die Balkan-Presse wie ein roter Faden. Wer zuerst schreit, glaubt sich im Recht – und verlagert den Druck auf den Gegner.

Was nun auf dem platz zählt

Was nun auf dem platz zählt

Für Mancini ist der Vorfall ein willkommener Nebenschauplatz, der seine Mannschaft endlich aus der Komfortzone holt. Bei der Pressekonferenz nach der Ankunft in Zenica verzichtete er auf jede Ironie: „Wir konzentrieren uns auf 90 Minuten Fußball, nicht auf 15 Minuten Handyvideo.“ Faktisch steht für Italien alles auf dem Spiel: eine Niederlage würde das zweite WM-Missen in Folge bedeuten, die Quoten für den Verbleib des Coaches würden ins Bodenlose fallen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Italien gewann nur eins der letzten fünf Pflichtspiele in regulärer Spielzeit, Bosnien kassierte in denselben fünf Partien nur zwei Gegentore – beide Teams sind defensiv gezeichnet, beide brauchen ein Tor, um nicht erneut in die rote Laterne der internationalen Presse zu rutschen. Die Wetterlage verspricht minus zwei Grad und Nebel, der Ball wird rutschig, die Nerven blank liegen.

Letzte Szene vor dem Anpfiff: Der Soldat hat seinen Posten an der Checkpoint-Brücke wieder eingenommen, das Mobiltelefon wurde sichergestellt, die Akte „Spia“ liegt beim UEFA-Delegierten auf dem Schreibtisch. Doch das einzige, was wirklich zählt, ist, wer am Donnerstagabend um 20:45 Uhr die erste Ecke verwandelt – und damit die eigene Seite in Katar befördert. Alles andere ist Nebengeräusch, das der Wind über den Igman-Gebirgszug trägt.