Italiens sport kollabiert: tennis und motorsport glänzen, fussball und rad verlieren den anschluss
Während Jannik Sinner in Miami die Konkurrenz zerlegt und Kimi Antonelli schon mit 17 auf dem Podium von Imola steht, läuft der Rest des italienischen Sports gegen die Wand. Die Ampel steht auf Rot – und das nicht nur seit dieser Woche.
Die spaltung des sports
Die Zahlen sind gnadenlos. Im Tennis zieht Sinner mit 33 Siegen in 35 Matches durch die Saison, sammelt 4.000 Punkte und lässt Medwedew und Co. wie Statisten wirken. Beim Motorsport feiert Bezzecchi in Austin den zweiten Saisonsieg, während Antonelli in der Formel-2 mit 1,9 Sekunden Vorsprung die Pole holt. Die beiden Jungs aus Varese und Bologna liefern das ab, was sonst nur Verstappen und Norris liefern.
Daneben sieht es aus wie nach einer Naturkatastrophe. Die Serie A schwankt auf Platz fünf der UEFA-Rangliste, 300 Millionen Schulden bei Juventus, Milan verkauft wieder einen Teil seines Stadions an Private. Das Nationalteam? Ein Remis gegen Nordmazedonien war noch das Highlight des letzten Jahres.

Die leere rad-welt
Der Giro 2024 ohne Nibali, ohne Pozzovivo, ohne irgendeinen Fahrer mit italischen Wurzeln in den Top-10 der Weltrangliste. Zum ersten Mal seit 1909. Die letzte Etappe, die ein Italiener gewann, liegt 14 Monate zurück. Auf den Straßen von Rom und Mailand fahren jetzt nur noch Touristen schneller als die Profis.
Und das Basket? Virtus Bologna raus im Achtelfinale, Milano muss die Arena für Konzerte vermieten, um die Gehälter zu zahlen. Die Liga schrumpft, die Zuschauerzahlen ebenfalls. Ein Land, das 1983 die Europameisterschaft gewann, schickt jetzt College-Spieler ins Ausland, weil da mehr Geld fließt.

Das schweigen der athletik
Im Schwimmen wartet man seit 2016 auf eine Medaille bei Weltmeisterschaften. Im Winterdomizil von Cortina haben die Skifahrer vergessen, wie man Podeste steigt. Die letzte Gold-Geschichte datiert auf 2018, damals noch mit Innerhofer. Heute fährt niemand unter die Top-30.
Die Sportministerin tritt auf, spricht von „Strukturreform“, doch die Hallen bleiben leer. In Mailand bauen sie gerade ein neues Stadion für 70.000 Leute – keine Ahnung, wofür. Vielleicht für die nächste Handball-Wildcard.
Am Ende bleiben zwei Gesichter: Sinner, der in Miami seine Schläger wie Schwerter schwingt, und Antonelli, der schon mit 17 die Formel-1 anklopft. Der Rest schaut zu, kassiert, verliert. Die Ampel steht auf Rot – und niemand drückt auf Grün.
