Parsons schützt russlands start in cortina und zitiert den medaillenspiegel

Cortina d’Ampezzo – Kurz vor der Schlussfeier der Winter-Paralympics schickt IPC-Chef Andrew Parsons eine Kampfansage an alle Kritiker: Russland bleibt willkommen. „Ich würde gerne den Medaillenspiegel durchgehen“, sagt der Brasilianer mit ruhiger Stimme im Curling-Stadium. „Die Top fünf: China, USA, Russland, Italien, Österreich. Russland ist nicht das einzige Land, das derzeit in einen Krieg involviert ist.“

Die arithmetik der kriegsspiele

Die arithmetik der kriegsspiele

Parsons zählt auf, was andere lieber verschweigen. Seit mehr als vier Jahren flieht die ukrainische Nationalmannschaft vor russischen Raketen. Seit Wochen lassen US-Drohnen den Nahen Osten beben. Dennoch stünden beide Nationen im Paralympics-Finalstadl, und keiner der Athleten trägt Krieg im Rucksack – behauptet der IPC-Präsident. Die Generalversammlung habe Ende September mit knapper, aber eindeutiger Mehrheit für die Rückkehr des russischen Paralympischen Komitees gestimmt. Sechs Athleten, acht Goldmedaillen, Platz drei im Ranking. Die Zahlen sprechen für sich.

Die Symbolik dahinter ist kaum zu übersehen. In den Dolomitenschneekanonen von Cortina wird Sport zur moralischen Rechnung. Parsons nennt es „demokratische Abstimmung“, Kiew nennt es „Zynismus auf Kosten ukrainischen Bluts“. Doch der Chef des Weltverbandes bleibt hart. „Wir sind keine Politiker, wir sind Sportveranstalter“, wiederholt er wie ein Mantra. Die Paralympics seien ein Fest der Inklusion, nicht ein Ausschlussverfahren.

Die Athleten selbst schweigen. Sie wissen, dass jede Interviewsilbe sofort in die geopolitische Mühle gerät. Stattdessen lassen sie Ski, Schläuche und Schneekatapulte sprechen. Russlands Biathleten sichern sich Gold im Langlauf, die US-Snowboarder holen Doppel-Silber. Die Zuschauer jubeln, weil sie die Namen auf der Startliste lieber nach Sekunden sortieren als nach Passfarben.

Doch die Rechnung ohne den späten Protest der Verbände macht Parsons nicht. Der norwegische Skiverband fordert Sonderregeln für künftige Spiele, der ukrainische Sportminister droht mit Boykott 2030. Parsons bleibt cool. „Sport verbindet“, sagt er und meint damit vor allem eins: Er wird die Linie nicht korrigieren. Solange die Mehrheit der Mitgliedsländer hinter ihm steht, bleibt Russland startberechtigt.

Am Ende der Paralympics zieht Cortina den Schlussstrich unter ein Spiele-Dilemma, das sich nicht lösen lässt. Parsons’ letzter Satz klingt wie ein Schulterschluss mit der Realität: „Wer Medaillen zählt, kann keine Kriege zählen.“ Dann löscht er das Mikrofon, und die Hymne der Spiele erklingt – ohne je nach Sieg oder Niederlage zu fragen.