Reul und schuster drohen mit polizei-rechnung an klubs: 'dann machen wir nicht mehr mit'

Die Innenminister von NRW und Sachsen, Herbert Reul und Armin Schuster, ziehen die Notbremse: Wenn DFL und DFB beim Thema Stadionverbote weiter blockieren, sollen Vereine künftig selbst für die Millionen-Kosten von Hochrisikospielen bleiben. Die Drohung war gestern in der kicker-Story nur zwischen den Zeilen zu lesen – gemeint ist sie hundertprozentig.

Schuster: 'druck steigt und steigt'

Der sächsische CDU-Mann spricht es offen aus: 'Diesen Weg halte ich für falsch, aber der Druck auf mich wächst.' Gemeint ist das Szenario, das in Politikerkreisen schon länger kursiert: Klubs sollen die Hundertschaften, Pferdestaffeln und Hubschrauber selber bezahlen, wenn ihre Fangruppen wieder einmal Eskalation liefern. Schusters Fazit: 'Wenn der Fußball sich nicht selbst reguliert, regulieren wir für ihn – und stellen dann die Rechnung.'

Derzeit kostet ein einziges Hochrisikospiel in der Bundesliga die öffentliche Hand zwischen 300.000 und 600.000 Euro. Die Zahren stehen in keiner Relation zu den Geldern, die Vereine für Sicherheitspersonal ausgeben – und das wissen die Minister. Reul spricht deshalb von einer 'ausgestreckten Hand, die jedes Wochenende weggeklatscht wird'. Die Konsequenz: Entweder DFL und DFB liefern bis Juni eine harte Stadionverbots-Regelung – oder die Länder kassieren.

Weichspül-kompromiss liegt auf dem tisch

Weichspül-kompromiss liegt auf dem tisch

Im Dezember einigten sich alle Seiten noch auf eine unabhängige Kommission für Stadionverbote. Seitdem haben die Verbände aber nichts unterschrieben, stattdessen interne Richtlinien verwässert. Reul: 'Wenn die Verbände den schon weichen Beschluss noch weiter aufweichen, dann mache ich das nicht mit.' Für die Klubs wäre das ein Schock: Erstmals müssten sie nicht nur für Pyro-Strafen zahlen, sondern für den kompletten Polizei-Einsatz – inklusive Einsatzzuschlägen und Überstunden.

Die Drohung ist nicht nur Populismus. Schon in dieser Saison verweigerten mehrere Städte Spitzenspiele, weil sie die Kosten nicht tragen wollten. Die DFL reagierte mit Verlegenheit: Offiziell betont man die 'Gemeinsamkeit der Verantwortung', intern rechnet man mit einem Etat-Mehrbedarf von 25 Millionen Euro pro Saison, sollten die Länder konsequent durchgreifen. Die Zeit läuft: Bei der nächsten Innenministerkonferenz Mitte Juni will Reul die Weißglut nutzen – und die Rechnungen an den Mann bringen.